Wie aus einem Wunschfragebogen ein Herzenswunsch wird

So begleitet Aktion Kindertraum Familien auf dem Weg zur Wunscherfüllung

Es ist spätabends, fast Mitternacht. Das Kind schläft endlich. Der Tag war lang –  Arzttermin, Physiotherapie, Apotheke, Telefonate und all die Sorgen und Herausforderungen, die eine schwere Erkrankung des Kindes mit sich bringt.

Zum ersten Mal kehrt heute etwas Ruhe ein.

Vor dem hell leuchtendem Bildschirm im dunklen Wohnzimmer sitzt eine Mutter und schaut auf den Wunschfragebogen von Aktion Kindertraum. Sie hat von der Organisation gehört, die Herzenswünsche von benachteiligten Kindern erfüllt. Doch nun zögert sie.

Dürfen wir überhaupt anfragen?
Geht es anderen Familien nicht noch schlechter?
Haben wir überhaupt eine Chance?
Ist der Wunsch unseres Kindes nicht zu groß?
Oder vielleicht sogar zu klein?

Eine Mutter füllt am Laptop den Wunschfragebogen für ihr Kind aus.
Kann der Herzenswunsch meines Kindes erfüllt werden? (KI-Symbolbild)

Viele Eltern kennen diese Gedanken. Wer ein schwer erkranktes Kind begleitet, hat oft gelernt, bescheiden zu sein. Hilfe anzunehmen, fällt nicht immer leicht. Dabei beginnt für viele Familien genau mit diesem Moment eine besondere Geschichte:

Eine Geschichte, die mit einem ausgefüllten Fragebogen startet und manchmal mit einem Anruf endet, den Eltern nie vergessen:

„Wir können den Wunsch Ihres Kindes erfüllen.“

Genau hier setzt Aktion Kindertraum an. Seit fast 30 Jahren erfüllen wir Herzenswünsche von Kindern und Jugendlichen, deren Leben durch Krankheit, Behinderung oder schwere Schicksalsschläge besonders belastet ist.

Doch wie läuft eigentlich eine Wunscherfüllung ab?
Was passiert, nachdem die Familien oder Betreuer zum ersten Mal Kontakt aufnehmen?
Und wie wird aus einem ausgefüllten Fragebogen schließlich die Nachricht: „Der Wunsch Ihres Kindes wird erfüllt“?

Wer hinter die Kulissen von Aktion Kindertraum blickt, begegnet bei diesen Fragen schnell einer Person: Karina Weiß. Sie ist die Kollegin, die sich um den Versand der Wunschfragebögen kümmert, die eingehende Unterlagen prüft und die Wünsche für die weitere Bearbeitung vorbereitet. Für die meisten Familien ist sie die erste Ansprechpartnerin bei Aktion Kindertraum.

Karina Weiß - federführend beim ersten Kontakt
Karina Weiß – oftmals die erste Kontaktperson für Familien. (Foto: Klöpper Fotodesign/AKT)

Der erste Schritt beginnt oft mit einer großen Frage

Es gibt Familien, die stoßen eher zufällig auf Aktion Kindertraum. Manche erhalten einen Hinweis von Ärzten, Therapeuten, Sozialdiensten oder anderen betroffenen Familien. Andere entdecken unsere Webseite im Internet oder lesen einen Bericht über einen bereits erfüllten Wunsch.

Fast alle Eltern stellen sich zunächst dieselbe Frage: Ist es sinnvoll, dass wir uns melden?

Die Antwort lautet eindeutig: Ja.

Aktion Kindertraum unterstützt Kinder und Jugendliche bis zum 21. Geburtstag, deren Leben durch schwere Erkrankungen, Behinderungen, traumatische Erlebnisse oder andere belastende Lebensumstände geprägt ist. Dazu gehören beispielsweise Kinder mit Krebsdiagnosen, seltenen Erkrankungen, chronischen Krankheiten oder psychischen Belastungen. Auch Geschwisterkinder sowie Kinder schwerstkranker Eltern können unter bestimmten Voraussetzungen einen Wunsch einreichen.

Für viele Familien ist die erste Kontaktaufnahme mit gemischten Gefühlen verbunden. Neben Hoffnung gibt es oft auch Unsicherheit. Ist unser Wunsch zu groß? Zu ungewöhnlich? Haben andere Kinder nicht viel dringendere Wünsche?

Karina kennt diese Gedanken aus vielen Gesprächen mit Eltern.

„Viele Familien sind anfangs sehr zurückhaltend“, erzählt sie. „Sie fragen sich, ob sie überhaupt einen Wunsch einreichen können. Dabei möchten wir sie ermutigen, einfach Kontakt aufzunehmen und ihre Geschichte zu erzählen.“

Der Wunschfragebogen: Mehr als nur ein Formular

Am Anfang jeder Wunscherfüllung steht der Wunschfragebogen. Er kann über die Homepage heruntergeladen oder direkt bei Aktion Kindertraum angefordert werden. Wir verschicken ihn dann je nach Wunsch per E-Mail oder Post.
Fast immer ist es Karina, die dafür sorgt, dass die Unterlagen bei den Familien ankommen.

„Der Fragebogen ist unsere Arbeitsgrundlage und deshalb extrem wichtig. Er hilft uns dabei, das Kind und seinen Wunsch kennenzulernen„, erklärt sie

Kinderzeichnung als Anlage von einem Wunschfragebogen
Hier ist der Wunsch klar formuliert: eine Reise ins Disneyland.

Auf den ersten Blick wirkt der Fragebogen wie ein klassisches Formular. Tatsächlich steckt jedoch viel mehr dahinter. Eltern beschreiben die Situation ihres Kindes, seinen Alltag und natürlich den Herzenswunsch selbst.
Oft ergänzen Familien die Unterlagen durch persönliche Briefe, Fotos oder zusätzliche Informationen. Dadurch entsteht ein sehr individuelles Bild.

„Jeder Fragebogen erzählt eine eigene Geschichte“, sagt Karina. „Man merkt schnell, wie viel Hoffnung, aber auch wie viele Herausforderungen hinter den einzelnen Anfragen stehen.“

Viele Familien berichten später, dass das Ausfüllen des Fragebogens bereits ein besonderer Moment war. Zum ersten Mal seit langer Zeit steht nicht die Krankheit im Focus, sondern die Frage: Was würde meinem Kind wirklich Freude bereiten?

Dabei geht es nicht darum, perfekte Antworten zu geben.
Karina betont: „Wir erwarten keine perfekten Formulierungen. Uns ist wichtig, dass die Familien ehrlich schildern, was ihr Kind bewegt und warum dieser Wunsch so bedeutend ist.“

Wer Unterstützung beim Ausfüllen des Fragebogens benötigt, kann sich jederzeit an unser Team wenden. Häufig entstehen Fragen, die sich in einem persönlichen Gespräch schnell und unkompliziert klären lassen.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Je nach Wunsch und individueller Situation benötigt Aktion Kindertraum weitere Informationen.
Dazu gehören beispielsweise medizinische Unterlagen, ärztliche Einschätzungen oder Angaben von betreuenden Fachpersonen. Das dient nicht der Kontrolle, sondern hilft dabei, die Lage besser einschätzen zu können und sicherzustellen, dass eine Wunscherfüllung im Einklang mit der (gesundheitlichen) Entwicklung des Kindes steht.

Sobald die Unterlagen eingehen, landen sie zunächst auf Karinas Schreibtisch. Sie prüft, ob alle notwendigen Informationen vorhanden sind, und nimmt bei Bedarf Kontakt zu den Familien auf.

„Manchmal fehlt nur eine Kleinigkeit. Dann melden wir uns und klären gemeinsam, was noch benötigt wird. Unser Ziel ist es immer, den Familien den Prozess so einfach wie möglich zu machen.“

Für Eltern ist es oft beruhigend zu wissen, dass ihre Angaben vertraulich behandelt werden. Gerade medizinische Informationen oder persönliche Dokumente erfordern ein hohes Maß an Sensibilität. Datenschutz und Vertraulichkeit haben deshalb einen sehr hohen Stellenwert für uns.

Ist alles dabei? Mit den vollständigen Unterlagen beginnt die Wunscherfüllung.

Was passiert nach dem Absenden?

Für die Familien beginnt nach dem Abschicken des Fragebogens eine Zeit des Wartens.
Für uns startet ein erprobter Prozess.

Karina stellt den Kollegen jede neue Anfrage in unserer wöchentlichen Teamsitzung vor.  
„Wenn ein Fragebogen bei uns ankommt, schauen wir uns alles ganz genau an. Damit das Team entscheiden kann, ob und wie ein Wunsch umgesetzt werden kann, ist es wichtig zu verstehen, welchen Wert dieser Wunsch für das Kind hat.“

Danach wird die Anfrage innerhalb des Teams verteilt und die eigentliche Organisation der Wunscherfüllung beginnt.

Der Moment, auf den viele Familien hoffen

Nach der Prüfung und den Vorbereitungen kommt schließlich der Augenblick, auf den Familien warten.

Das Telefon klingelt.
Am anderen Ende der Leitung sitzt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter von Aktion Kindertraum.
Und dann fällt der Satz, den viele Eltern nie vergessen:
„Wir können den Wunsch Ihres Kindes erfüllen.“

Auch Karina erlebt immer wieder die Reaktionen der Familien, wenn diese Nachricht übermittelt wird.

„Das sind ganz besondere Momente“, erzählt sie. „Man hört die Freude, die Erleichterung und manchmal auch einfach nur Sprachlosigkeit am Telefon.“

Ute Friese (hinten Mitte) und Karina Weiß (links) bei der Erfüllung eines Herzenswunsches
Wunscherfüllung hautnah: Karina Weiß (links) und Ute Friese (Mitte, hinten) besuchen Kardo im Center Parcs

Viele Familien können zunächst kaum glauben, dass ihr Wunsch tatsächlich Wirklichkeit werden soll. Andere reagieren mit Tränen der Freude.

Wer über Monate oder Jahre mit den Belastungen einer schweren Erkrankung lebt, für den gibt es nicht so oft positive Überraschungen. Umso größer ist die Wirkung dieser Nachricht.

Plötzlich steht nicht mehr die nächste Untersuchung oder Therapie im Mittelpunkt, sondern Vorfreude.
Vorfreude auf etwas Schönes.
Vorfreude auf ein Erlebnis, das dem Kind gehört.
Vorfreude auf Etwas, bei dem Krankheit und Sorgen zumindest für einen Moment in den Hintergrund treten dürfen.

Von der Zusage bis zur Wunscherfüllung

Mit der Zusage beginnt die nächste spannende Phase.
Für die Familien bleibt vieles davon unsichtbar. Hinter den Kulissen laufen jedoch Terminabsprachen, Recherchen, Telefonate mit Dienstleistern und Unterstützern. Details werden abgestimmt und letzte Vorbereitungen getroffen.
Wir bleiben dabei immer im Austausch mit der Familie und stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung.

Je nach Wunsch kann die Organisation wenige Tage oder auch mehrere Monate dauern. Manche Projekte sind relativ unkompliziert umzusetzen, andere erfordern eine umfangreiche Planung.
Treffen mit Prominenten, besondere Reisen oder individuell angefertigte Hilfsmittel verlangen oft viel Koordination und zahlreiche Abstimmungen.

Für die Familien heißt das vor allem eines: Sie müssen sich nicht selbst um die Umsetzung kümmern.

Karina erläutert dazu: „Wir möchten, dass sich die Familien auf die Vorfreude konzentrieren können. Um die Organisation kümmern wir uns.“

Warum diese Arbeit so wichtig ist

Wer selbst kein schwer erkranktes Kind begleitet, unterschätzt häufig, welche Kraft in einer Wunscherfüllung steckt.

Natürlich kann ein erfüllter Wunsch keine Krankheit heilen.
Aber er kann Hoffnung schenken.
Er kann Selbstvertrauen stärken.
Er kann Familien gemeinsame Erinnerungen ermöglichen, die noch lange nachwirken.

Vor allem zeigt er Kindern und Jugendlichen etwas sehr Wichtiges: Du bist gesehen. Deine Wünsche zählen. Deine Träume sind wichtig.

Ein Wunschkind spielt auf seinem neuen Keyboard. Karina Weiß lauscht aufmerksam
Wirkung einer Wunscherfüllung: Rewan überzeugt mit seinem Talent

Karina erlebt diese Wirkung immer wieder.
„Es geht nicht nur um den Wunsch selbst. Es geht darum, Kindern und ihren Familien etwas Positives zu schenken, über das sie sich freuen können.“

Gerade wenn sich vieles um Diagnosen, Behandlungen und Einschränkungen dreht, kann diese Botschaft von unschätzbarem Wert sein.

Jeder Wunsch ist einzigartig

Seit der Gründung von Aktion Kindertraum im Jahr 1998 wurden bereits mehr als 4.000 Herzenswünsche erfüllt. Entsprechend groß ist die Vielfalt der Wünsche.

Manche Kinder wünschen sich eine Reise mit ihrer Familie. Andere träumen von einem besonderen Hilfsmittel, das ihren Alltag erleichtert. Wieder andere möchten ihr Idol treffen oder an einer Therapie teilnehmen, die ihnen neue Möglichkeiten eröffnet.

Zu den bereits erfüllten Wünschen gehören beispielsweise:

  • Rollstuhlfahrräder und Spezialräder
  • Assistenzhunde
  • Reit-, Musik- oder Tomatis-Therapien
  • Reisen ans Meer, in die Berge oder in besondere Städte
  • Konzert- und Musicalbesuche
  • Treffen mit bekannten Persönlichkeiten
  • PCs, Smartphones oder Spielkonsolen

Auch sehr außergewöhnliche Wünsche konnten wir in der Vergangenheit umsetzen, wie etwa einen Tag Müllmann zu sein oder einen Tag beim Rettungsdienst zu verbringen.

„Das Schönste ist, wenn man merkt, dass ein Wunsch wirklich aus dem Herzen des Kindes kommt“, erzählt Karina. „Dann wissen wir, wie viel dieser Wunsch bewirken kann.“

Leon darf einen Tag als Müllwerker verbringen. Sein Strahlen verrät seine Freude
Ein besonderer Tag als Müllwerker: Leon packt kräftig mit an

Eine Besonderheit gibt es dabei allerdings: Jedem Kind oder Jugendlichen wird einmal im Leben ein Herzenswunsch von Aktion Kindertraum erfüllt.

Deshalb empfiehlt Karina den Eltern, gemeinsam mit ihrem Kind in Ruhe darüber nachzudenken, welcher Wunsch wirklich der große Traum ist.

Was Eltern wissen sollten

So offen Aktion Kindertraum für Herzenswünsche ist, gibt es dennoch Grenzen.

Nicht übernommen werden beispielsweise bereits getätigte Anschaffungen im Nachhinein, Wohnungsumbauten, Kraftfahrzeuge sowie bestimmte Therapieformen wie Erst- oder Delfintherapien.

Wichtig zu wissen: Aktion Kindertraum zahlt grundsätzlich kein Geld aus.

Stattdessen organisiert das Team die gesamte Wunscherfüllung selbst – von der ersten Planung bis zur Umsetzung. Genau deshalb sprechen viele Familien von echten „Wunscherfüllungsprofis“.

Fünf Tipps für die Wunscheinreichung

Aus ihrer täglichen Arbeit kennt Karina die Fragen und Unsicherheiten vieler Familien. Deshalb gibt sie einige praktische Empfehlungen:

  • Reichen Sie termingebundene Wünsche möglichst frühzeitig ein.
  • Fragen Sie nach, wenn Sie beim Ausfüllen des Wunschfragebogens unsicher sind.
  • Senden Sie die benötigten Unterlagen möglichst vollständig mit.
  • Sprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind über seinen größten Herzenswunsch.
  • Ergänzen Sie den Fragebogen gerne mit einem Foto oder persönlichen Informationen.
Der Wunschfragebogen
Der Wunschfragebogen – die Arbeitsgrundlage für jede Wunscherfüllung (Symbolbild)

Eine Ermutigung an betroffene Familien

Viele Eltern zögern zunächst, Kontakt aufzunehmen. Sie möchten niemandem zur Last fallen oder glauben, ihr Wunsch sei vielleicht nicht außergewöhnlich genug.
Die Erfahrungen von Aktion Kindertraum zeigen jedoch etwas anderes.

Jeder erfüllte Herzenswunsch beginnt mit einer Anfrage.
Mit einem Gespräch.
Mit einem ausgefüllten Fragebogen.

Und oft beginnt er mit einem ersten Kontakt zu Karina, die den Familien bei Bedarf behilflich ist.
Ihre Botschaft an betroffene Eltern ist eindeutig: „Trauen Sie sich, uns anzusprechen. Es muss nicht alles perfekt sein. Erzählen Sie uns einfach von Ihrem Kind und seinem Wunsch.“

Vielleicht beginnt genau mit diesem Fragebogen eine Geschichte, die Ihrem Kind unvergessliche Freude schenkt – und die irgendwann mit den Worten endet:

„Wir können den Wunsch Ihres Kindes erfüllen.“

Für das Team von Aktion Kindertraum ist jeder Wunsch weit mehr als ein Projekt. Hinter jedem Fragebogen steht ein Kind, eine Familie und die Hoffnung auf einen besonderen Moment. Genau dafür setzen sich die Wunscherfüllerinnen und Wunscherfüller jeden Tag ein – damit aus einem Herzenswunsch eine Erinnerung fürs Leben wird.

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Lea Stanke

Schon als Schülerin habe ich meine Freude am Schreiben entdeckt und erste Artikel für die Cellesche Zeitung verfasst. Später schrieb ich für Heilpraxis über Heilpflanzen und verschiedene Krankheitsbilder. Auch heute begleitet mich das Schreiben noch, ebenso wie meine Begeisterung für Menschen, Geschichten und sinnstiftende Projekte. Beruflich arbeite ich heute im Fundraising sowie in der Akquise und Verwaltung von Fördermitteln, unter anderem auch für Aktion Kindertraum. Umso schöner ist es für mich, diese Tätigkeit mit meiner Leidenschaft für das Schreiben verbinden zu können und die besonderen Geschichten von Aktion Kindertraum mit anderen zu teilen.

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