Himmlische Musik in inklusiver Interpretation

Großes Konzert unter dem Motto „Aus der Stille in den Klang“

Kürzlich fand in Hamburg in Kooperation mit der dortigen Staatlichen Jugendmusikschule ein denkwürdiger Konzertabend mit behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen statt. Mehr als 400 Besucher und Besucherinnen feierten enthusiastisch die himmlische Musik in inklusiver Interpretation und wurden zutiefst berührt.

„Aus der Stille in den Klang kann einen wertvollen Beitrag zur Inklusion hörgeschädigter Kinder leisten.“, stellt Ute Friese, Gründerin und Geschäftsführerin von Aktion Kindertraum fest. Freilich kann man auch festhalten: Ohne Aktion Kindertraum wäre das Projekt „Aus der Stille in den Klang“ heute nicht dort, wo es ist. Ein weltweit einmaliges Projekt mit einer ganz besonderen musikpädagogischen Methodik für Kinder mit Cochlea Implantat (CI) unter wissenschaftlicher Begleitung. Mittlerweile wird sie über die Grenzen von Hannover hinaus praktiziert. Zur Erinnerung: Noch vor Corona kam Elena Kondraschowa – aus Zufall oder war es Schicksal – an der Geschäftsstelle von Aktion Kindertraum vorbei. Sie war schon bei zahlreichen privaten und staatlichen Stellen gewesen und hatte überall vergeblich um finanzielle Förderung gebeten.

Elena Kondraschowa und Ute Friese starteten gemeinsam das Projekt „Aus der Stille in den Klang“

Ute Friese jedoch erkannte sofort das enorme pädagogische Potential von „Aus der Stille in den Klang“ und fortan wurde das Projekt maßgeblich von Aktion Kindertraum finanziell und personell gefördert, später kam die Kroschke Kinderstiftung dazu.
„Ich freue mich, wenn der Musikunterricht für hörgeschädigte Kinder mit CI genauso selbstverständlich wird, wie für hörende Kinder. Es wäre wunderbar, wenn im Rahmen von inklusiven Projekten hörende und hörgeschädigte Kinder ganz selbstverständlich gemeinsam musizieren könnten.“, sagte Musikpädagogin und Geigerin Elena Kondraschowa vor einigen Jahren. Und ihr Wunsch wurde Wirklichkeit: Die Kinder aus dem Projekt haben schon mehrere kleine und große Konzerte gegeben, auch mit hörenden Kindern zusammen. Es gibt sogar eine NDR-Dokumentation zur Entstehung von „Aus der Stille in den Klang“.

Eine beispielhafte Kooperation

Der Miralles Saal war Ziel von über 100 musizierenden Kindern und Jugendlichen und mehr als 400 Besuchern

Nun ist in Hamburg ein weiteres Konzert vor begeistertem Publikum in Kooperation mit der Staatlichen Jugendmusikschule (JMS), im hanseatischen Stadtteil Pöseldorf gelegen, dazu gekommen.
Aber der Reihe nach: Im Sommer vergangenen Jahres fuhren Ute Friese und Helga Berndmeyer, sie ist Projektleiterin von „Aus der Stille in den Klang“, nach Hamburg, um Winfried Stegmann, den pädagogischen Leiter der Staatlichen Jugendmusikschule in Hamburg zu sehen. Die Zentrale der größten Musikschule der Hansestadt ist beheimatet im Michael-Otto-Haus. Dort befindet sich auch der Miralles Saal, in dem immer wieder mithin öffentliche professionelle Konzerte stattfinden. Die JMS bietet umfassende Angebote für Kinder und Jugendliche, inklusive Tanz und Ensemble und vor allem: Inklusion wird hier ganz großgeschrieben, so werden nur Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, die ausdrücklich erklären, sich auch und gerade im inklusiven Unterricht zu engagieren.

Die Stühle der Musiker sind noch leer. Winfrid Stegmann zu Beginn seiner Eröffnungsrede

Winfried Stegmann war ebenso vom Projekt „Aus der Stille in den Klang“ überzeugt wie Aktion Kindertraum. Und so wurde beschlossen, im Februar 2026 ein umfangreiches, inklusives Konzert im Miralles Saal unter Mitwirkung verschiedener inklusiver Musikgruppen zu organisieren. Gesagt, getan: Am 14. Februar dieses Jahres kamen über 400 Besucher und Besucherinnen, um dieses Konzert, eines der größten inklusiven Musik-Ereignisse in Hamburg, zu hören und zu feiern.

Das Publikum war tatsächlich hin und weg, als es Zeuge dieser wunderbaren Präsentation von Musik wurde, gemeinsam dargeboten von hörenden und hörgeschädigten Kindern, deren Fröhlichkeit den ganzen Saal erfüllte. Insgesamt waren es mehr als 100 Kinder und Jugendliche, behindert und nichtbehindert, die diesem Konzert enthusiastisch und vollen Herzens ihre musikalischen Stimmen gaben.

Die gelebte Inklusion

Als Namensgeber des Konzertes wurde „Aus der Stille in den Klang“ in der Eröffnungsrede von Winfried Stegmann, der Ute Friese und Elena Kondraschowa ebenfalls zur Begrüßung auf die Bühne gebeten hatte, als außerordentliches Projekt gewürdigt. Selbstverständlich waren auch einige Jugendliche aus Hannover angereist. Die Kinder spielten mit Geigen das „Menuett und Musette“ von Johann Sebastian Bach und den „Hexentanz“ von Niccolò Paganini vor dem überschwänglichen Publikum.

Mila und Alicia spielten zusammen mit Elena Kondraschowa Bach und Paganini

Begonnen hatte das Konzert mit dem Auftritt des Streichorchesters der Orchesterschule der JMS, auch Mila und Alicia von „Aus der Stille in den Klang“ waren mit ihrem Geigenspiel dabei. Unter anderem wurde der „Jägerchor“ aus der Oper „Freischütz“ von Carl Maria von Weber und ein amerikanisches Traditional, „Rocky Mountain“, gespielt.
Das Zusammenspiel und das Aufeinanderhören in einem großen Orchester ist schon für normal hörende Kinder nicht einfach, für Mila und Alicia hingegen war es eine ungeheure Leistung.

Himmlische Musik spielten zwei Kinder von "Aus der Stille in den Klang" zusammen mit dem Streichorchester.
Mila, Alicia und Elena wurden Teil des Streichorchesters der Jugendmusikschule

Eine andere inklusive Musikgruppe die an diesem Abend auftrat, war Fleetenpower, die an diesem denkwürdigen Abend ihr 20-jähriges Bestehen feierten. Winfried Stegmann erklärte: „Hier finden junge Menschen mit Behinderung einen Ort, an dem sie ihre Begeisterung für Musik ausleben und an dem sie gemeinsam musizieren können.“ Zusammen mit Friends of Fleetenpower wurde eine berührende Version von John Denvers „Country Roads“ gespielt, die wirklich allen zu Herzen ging.

Fleetenpower berührte das Publikum mit ihrer eigenen Interpretation von John Denvers „Country Roads“

Zudem war noch zu hören das Gitarren-Orchester des Stadtbereichs Nord, das probt und konzertiert mit Jugendlichen ohne und mit Behinderung. Es gab einmal mehr stürmischen Applaus für die Interpretation von Ed Sheerans Song „Perfect“.

„Perfect“ war nicht nur der Song, sondern auch die Darbietung vom Gitarren-Orchester

Himmel auf Erden

Zwei weitere Schützlinge von Elena Kondraschowa spielten diesmal zusammen am Klavier die Stücke Procession und Ragtime (Anne Terzibaschitsch).

Chidubem und Elo sind die Pianisten von „Aus der Stille in den Klang“
Trotz großen Lampenfiebers genoss Aliyah ihren Solo-Auftritt

Anschließend zweifellos ein Highlight und eine große Leistung war der Auftritt von Aliyah. Es kostete sie viel Überwindung, allein vor so viel Publikum aufzutreten. Trotz des Lampenfiebers spielte sie mit Bravour auf dem Flügel das „Minuet, KV 1“ von Wolfgang Amadeus Mozart, das „Wiegenlied“ von Isidore Philipp sowie ein ukrainisches Volkslied.

Ein Chor junger Mädchen sang nicht nur das das „Abendlied“ (Text und Musik: Lütke-Lefert/Bankhaus, Minimusiker). Sie trugen es auch in synchronisierter Gebärdensprache vor.

Gesang mit Gebärdenspache bot der Mädchenchor

Das gesamte inklusive Konzert darf wohl denkwürdig genannt werden, ebenso wie die so gelungene Zusammenarbeit von Aktion Kindertraum, „Aus der Stille in den Klang“, der Staatlichen Jugendmusikschule und dem öffentlichen Sender TIDE, der den Abend aufzeichnete.
Wie sagte doch einst der Komponist Giuseppe Verdi? „Jede Musik hat ihren Himmel“.
An diesem Abend wurde diese himmlische Musik inklusiv in den Miralles Saal geholt und das Publikum wurde zutiefst berührt.

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Andreas Wrede

Zunächst habe ich in Göttingen Soziologie, Politik und Neuere Chinesische Sprache studiert. Nach einem Volontariat beim Göttinger Tageblatt war ich u.a. Gründungs-Chefredakteur von Max, und Chefredakteur von Spiegel Spezial und GQ Germany. Weiterhin bin ich Programmdirektor des Pay-TV-Senders Premiere (heute: Sky) gewesen, arbeitete als Korrespondent für den Axel Springer Verlag in New York City und beriet zahlreiche Verlage. Heute bin ich Dozent für Journalismus am Masterstudiengang der Hamburg Media School und leite dessen InnoLab.

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