Seit mehr als 15 Jahren verbindet Thomas Uhe und Aktion Kindertraum ein gemeinsames Ziel: Menschen mit Behinderungen mehr Mobilität, Selbstständigkeit und unbeschwerte Momente zu ermöglichen. Die Freude, wenn Menschen plötzlich wieder unabhängiger unterwegs sein können, treibt den Unternehmer mit den Fahrrad-Visionen immer wieder an.
Thomas Uhe hat eine Leidenschaft für das, was Räder für Menschen möglich machen. Mit dreirad.de hat der 57-Jährige eines der führenden Unternehmen für Spezial- und Dreiräder aufgebaut. Doch hinter seinem unternehmerischen Erfolg steht vor allem ein Gedanke: Mobilität kann Menschen ein großes Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität schenken.

„Schon früh zeigte sich, wie groß der Bedarf an Dreirädern und Spezialrädern war. Und vor allem, was sie bewirken können: Die Freude der Menschen, wenn sie plötzlich wieder selbstständiger unterwegs sind, hat uns angetrieben“, sagt Thomas Uhe.
Seit 15 Jahren gemeinsam für mehr Mobilität
Diese Haltung verbindet Thomas Uhe seit mehr als 15 Jahren eng mit Aktion Kindertraum sowie mit den beiden Geschäftsführerinnen Ute Friese und Michaela Nocke. Was mit einem einzelnen Rollstuhl-Tandem begann, ist längst zu einer besonderen und verlässlichen Zusammenarbeit geworden: Mehr als 80 Herzenswünsche konnten Aktion Kindertraum und dreirad.de inzwischen gemeinsam erfüllen.
Den Anfang machte die damals 13-jährige Melanie. Aufgrund ihrer schweren Mehrfachbehinderungen ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen, liebte aber schon immer gemeinsame Fahrradausflüge mit ihrer Familie. Ein Rollstuhl-Tandem machte diese wieder möglich. Ihre Mutter schrieb uns damals: „Jetzt kann Meli wieder mit uns ihre geliebten Fahrradausflüge unternehmen. […] Die Welt bewegt sich wieder schneller und es gibt wieder mehr Abwechslung.“

Aus diesem ersten gemeinsamen Projekt wurden über die Jahre mehr als 80 – und hinter jedem Spezialrad steht eine ganz eigene Geschichte.
So wünschte sich Kamil, der seit einer schweren Erkrankung nicht mehr laufen kann, wieder gemeinsam mit seiner Familie Fahrradausflüge unternehmen zu können. Aktion Kindertraum erfüllte ihm diesen Wunsch mit einem Parallel-Tandem von dreirad.de, das speziell auf seine Bedürfnisse abgestimmt wurde. Schon bei der ersten gemeinsamen Runde mit seinem Vater zeigte sich, was ein solches Spezialrad möglich macht: Endlich konnte Kamil wieder gemeinsam mit seiner Familie auf dem Fahrrad unterwegs sein.

Auch Milena durfte diese neue Freiheit erleben. Die junge Frau ist auf einen Rollstuhl angewiesen und liebte gemeinsame Fahrradausflüge mit ihrer Familie. Bis dahin konnte die Familie dafür nur gelegentlich ein Rollstuhlfahrrad ausleihen. Mit Unterstützung von Aktion Kindertraum bekam Milena schließlich ihr eigenes Elektro-Rollstuhlfahrrad. Bei der Übergabe wurde alles genau auf sie abgestimmt und natürlich gleich ausprobiert. Ihr erstes Wunschziel für eine gemeinsame Tour stand ebenfalls schnell fest: die Eisdiele – für eine Kugel Schokoeis.

„Seit 15 Jahren besteht diese Connection nun und sie wird selbstverständlich fortbestehen“, betont Thomas Uhe. Wann immer Aktion Kindertraum Unterstützung bei einem besonderen Fahrradwunsch benötigte, war er bereit zu helfen.
Das wissen auch Ute Friese und Michaela Nocke sehr zu schätzen: „Thomas Uhe hat uns nie hängen lassen. Im Gegenteil: Der Kontakt zu uns und umgekehrt ist über all die Jahre stabil geblieben.“
Mehr als 80 erfüllte Herzenswünsche in 15 Jahren – dahinter stehen viele Kinder, Jugendliche und Familien, für die ein besonderes Fahrrad weit mehr bedeutet als ein Fortbewegungsmittel. Doch woher kommt Thomas Uhes Leidenschaft für diese besonderen Mobilitätslösungen? Und wie wurde aus einem gelernten Hotelfachmann ein Unternehmer, dessen Spezialräder heute Menschen an vielen Orten mehr Selbstständigkeit ermöglichen?
Aus einer persönlichen Erfahrung wird eine Geschäftsidee
Den entscheidenden Anstoß gab eine persönliche Erfahrung: Ein Mensch mit mehrfachen Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf wünschte sich ein Rollstuhl-Fahrrad, um häufiger an der frischen Luft unterwegs sein zu können. Die zuständige Krankenkasse übernahm die Kosten nicht – Thomas Uhe schon.
Dabei erkannte er eine Lücke. „Es war die Zeit, als es mit eBay in Deutschland so richtig losging, 1999“, erinnert er sich. Seine Idee: gebrauchte Fahrräder ankaufen und so umbauen, dass auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen sie nutzen können.

Thomas Uhe spezialisierte sich auf umgebaute Fahrräder und war, wie er selbst sagt, „der Erste in Deutschland, der das in großem Stil gemacht hat“. Der innovative und umtriebige Unternehmer hatte sein Feld gefunden: moderne Mobilitätskonzepte, Spezial- und Dreiräder sowie Therapieräder. In seinem LinkedIn-Profil spricht Thomas Uhe von seiner „Leidenschaft für neue Wege der Mobilität, Unternehmertum, Marketingstrategien“.
Einer, der schon immer gern etwas bewegt hat
Dass Thomas Uhe einmal Unternehmer für besondere Mobilitätslösungen werden würde, war zunächst keineswegs vorgezeichnet. Er wuchs in einem niedersächsischen Dorf in der Nähe von Bremen auf und erinnert sich noch heute gern an seine Jugend: „Wir waren als Kinder eigentlich immer draußen, egal wie das Wetter war.“ Ab und zu durfte ferngesehen werden, Mobiltelefone waren noch Gegenstände aus Science-Fiction-Romanen mit Perry Rhodan. Auch in der Schule ging es eher beschaulich zu.
Nach der Schulzeit meinte sein Vater, Thomas müsse nun „etwas Reelles“ lernen. Also ging es nach Bremen, wo er eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolvierte. „Das hat mir Spaß gemacht“, berichtet Thomas Uhe. Schon damals bereitete es ihm große Freude, auf Menschen zuzugehen. Offene und zugewandte Kommunikation gehört bis heute zu seinen großen Stärken.
Nach der Ausbildung und der Höheren Handelsschule folgten vier Jahre bei der Bundeswehr. Nach der Grundausbildung war er in der Steuben-Kaserne in Achim stationiert und dort – naheliegend – in der Gastronomie tätig. Der Standort wurde Ende 2003 geschlossen. Dort, wo einst das Flugabwehrbataillon 3 zu Hause war, befindet sich heute ein Wohngebiet. Wie die Zeiten sich ändern.
Danach war Thomas Uhe zwölf Jahre kreuz und quer in Deutschland unterwegs und organisierte Partys und Events in großen und kleinen Locations. Sein zupackendes Organisationstalent kam ihm dabei zugute. Etwas ruhiger wurde es, als er 1998 heiratete. Drei Kinder folgten und der Tausendsassa Thomas Uhe arbeitete noch einige Jahre als Verkaufsleiter für Getränkeanlagen.
Dann aber entdeckte er seine wahre Passion.
Wenn ein Fahrrad neue Freiheit schenkt
In der niedersächsischen Gemeinde Lilienthal im Landkreis Osterholz entdeckte Thomas Uhe eine große Scheune und baute sie selbst um. Sie bot viel Platz für ein Lager und eine große Verkaufsfläche für gebrauchte, neue und vor allem spezielle Fahrräder.
Es begann mit dem Ankauf gebrauchter Therapieräder, die sorgfältig repariert und anschließend wieder verkauft wurden. In wenigen Jahren baute Thomas Uhe dreirad.de zu einem führenden Unternehmen seiner Art auf. Mit viel Tatendrang, Fantasie und unternehmerischem Gespür eröffnete er Shops in Hannover, Bremen und Hamburg. Weitere Standorte in Bad Zwischenahn, Havixbeck, Kamen, Flensburg, Münster, Überlingen, Straubing, Ochtrup und Bocholt folgten.

An jedem Standort gibt es eine eigene Werkstatt, „in der wir dafür sorgen, dass unsere Dreiräder zuverlässig funktionieren und optimal auf ihren Besitzer oder ihre Besitzerin zugeschnitten sind“, erklärt Thomas Uhe. Dazu gehören individuelle Anpassungen etwa von Sitzposition, Lenker und Bremsen sowie spezielle Halterungen für ein möglichst komfortables Fahren.
Zum Sortiment zählen inzwischen auch i:SY-Räder. Die Räder in Kompaktbauweise sind leicht zu transportieren, viele Modelle sind als E-Bikes mit Motoren ausgestattet und lassen sich dank drehbarer Lenker und klappbarer Pedale besonders platzsparend verstauen.
Heute beschäftigt Thomas Uhe 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sieht noch weitere Expansionsmöglichkeiten: „Der Markt für Dreiräder entwickelt sich nach wie vor sehr gut, sein Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft.“ Mit KissBike betreibt er zudem eigene i:SY-Flagship-Stores.
Mit dreirad.de hat der Unternehmer eines der führenden Franchise- und Lizenzsysteme für Spezial- und Dreiräder aufgebaut – und die Weiterentwicklung schreitet voran. Shop-in-Shop-Konzepte werden erprobt und umgesetzt, strukturierte Partnermodelle aufgebaut sowie Vermarktungskonzepte, Schulungs- und Serviceangebote für Partnerhändler entwickelt. Thomas Uhe denkt als Unternehmer in großen Dimensionen. Dazu gehört auch eine eigene Marketingabteilung mit acht Mitarbeitenden.

Seine unternehmerische Entwicklung ist dabei eng mit TheraMobile e.K. verbunden. Seit 2009 ist Thomas Uhe „Entrepreneur bei TheraMobile e.K.“, dem rechtlichen Fundament von dreirad.de. Im Mittelpunkt stehen innovative Mobilitätslösungen, die Menschen mit besonderen Bedürfnissen mehr Sicherheit, Stabilität und Selbstständigkeit ermöglichen. Längst reichen die Ideen über klassische Spezial- und Therapieräder hinaus: Auch für Hotels, Campingplätze, Kreuzfahrtschiffe und touristische Destinationen entwickelt Thomas Uhe Konzepte, die mehr Menschen Mobilität und Teilhabe ermöglichen sollen.
Bei all diesen unternehmerischen Aktivitäten bleibt für Thomas Uhe jedoch entscheidend, was die Räder für die Menschen bedeuten: mehr Bewegungsfreiheit, mehr Selbstständigkeit und die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen unterwegs zu sein.

Stillstand? Nicht mit Thomas Uhe
Thomas Uhe ist ein Mann der Tat, dem es am Herzen liegt, dass Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen aktiv am Leben teilhaben können. Niemand sollte seiner Ansicht nach in Sachen Mobilität ausgeschlossen werden. „Es ist doch zu schön, wenn die ganze Familie etwas unternehmen kann“, sagt er.
Von sich selbst sagt der Unternehmer: „Ich bin ein Workaholic, weil ich einfach so gern arbeite!“ Und was macht Thomas Uhe, wenn er ausnahmsweise einmal nicht arbeitet?
„Wir haben ein Haus in Friesland in den Niederlanden, da verbringen wir gerade im Sommer gern viele Tage.“ Ganz ohne Arbeit geht es allerdings auch dort nicht: „Via WiFi bin ich natürlich arbeitsfähig und erreichbar, man weiß ja nie.“
Das passt zu einem Mann, der vor vielen Jahren mit gebrauchten Therapie- und Dreirädern in einer Scheune begann – und dessen Antrieb bis heute derselbe geblieben ist: Menschen mit neuen Ideen mehr Mobilität, mehr Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensfreude zu ermöglichen.