Vom Wünschen und Wollen

„Was bist du denn für ein Willi!“ Diesen Vorwurf müssen sich Kinder auch heute noch anhören, die – nach Meinung der Erwachsenen – zu lautstark ihren eigenen Willen äußern. Aber was ist daran so schlimm, etwas zu wollen und worin besteht der Unterschied zwischen „ich will“ und „ich wünsche mir“? Dies beleuchten wir in diesem Beitrag.

Aktion Kindertraum steht für die Erfüllung von Herzenswünschen und dafür, dass die Träume von jungen Menschen, die schwer erkrankt sind, einen Unfall hatten oder auf andere Weise in Not geraten sind, wahr werden. Der Slogan von Aktion Kindertraum „Dein Wunsch. Unsere Mission.“ macht klar: Hier dreht sich alles ums Wünschen.

Als Au pair nach England

Wir haben deshalb einmal Menschen, die uns schon lange unterstützen, nach ihren Wünschen in frühen Jahren gefragt. Karola Michallek – ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Aktion Kindertraum erzählte: „Einen Riesentraum, den hatte ich eigentlich nie. Abgesehen davon, dass ich nach der Schule gerne für ein Jahr ins Ausland gegangen wäre: Als Au pair nach England.“ Für ihre Eltern sei die Vorstellung, dass: „ihr Mädchen ganz alleine ins Ausland geht“, aber „unvorstellbar“ gewesen, schildert sie die Situation damals. Und weil sie keine Lehrstelle als Reisekauffrau oder in der Hotellerie bekommen konnte, erfüllt sie sich ihren Wunsch bis heute privat: „Ich liebe es, Reiseführer zu lesen und schon mal vorab, Eindrücke zu sammeln, bevor es in den Urlaub geht.“

Carola und Helga auf einer Terasse. Carola hilft Aktion Kindertraum beim Erfüllen von Wünschen
Carola Michallek (li) erfüllt sich heute ihren Lebenstraum, viel zu reisen.

Tennisprofi als Lebensziel

„Tennisprofi zu werden, das war mein größter Wunsch. Ich hab alle Spiele im Fernsehen gesehen, von Björn Borg, John McEnroe und Jimmy Connors“, erinnert sich Jan Fleißig an seine Jugend. Tennis spielt er seit der Zeit selbst, zwar nicht als Profi, aber doch in der aktuellen Saison für den DTV Hannover in der Regionalliga Herren 50/55.

Jan Fleißig ist Konditor und Geschäftsführer der hannöverschen Traditions-Konditorei Kreipe. Das Familienunternehmen unterstützt Aktion Kindertraum seit vielen Jahren: Bei Events wie der Nicolas Kiefer Charity oder alljährlich auf der Verbrauchermesse Infa. Dort stellt Kreipe ein Lebkuchenhexenhaus für Aktion Kindertraum zur Verfügung, das von Kindern verziert wird.

„Ziele zu haben, das ist schon wichtig im Leben. Aber gut ist es, wenn man sie irgendwann mit der Realität abgleicht und lernt, seine Möglichkeiten einzuschätzen“, so Fleißig. Bei ihm hätten die Eltern deutlich gemacht, dass sein wahrer Centercourt die Backstube ist.

Ute Friese und Jan Fleißig halten bei der Charity gemeinsam ein Infopapier hoch.
Jan Fleißig (mitte), dessen Wunsch es war, Tennisprofi zu werden hat jetzt seine Erfüllung in der Backstube gefunden.

Das Wollen ist ein Streben

Wir haben mehrere Gespräche über Jugendträume geführt, sie alle haben uns deutlich gemacht: Unsere Unterstützerinnen und Unterstützer haben eher etwas gewollt, als dass es Wünsche waren. Das „Wollen“ ist etwas Aktives und strebt oft zu einem konkreten Ziel. Etwas zu wollen, ist mehr als ein vages Verlangen oder eine Hoffnung. Dahinter steht eine klare Absicht, verbunden mit gezielten Handlungen, denn man möchte ja etwas erreichen oder eine Situation verändern.

Ist es nicht erstaunlich? Kinder, die etwas wollen, werden zur Bescheidenheit ermahnt. Der erwachsene Wille, im Leben „etwas zu erreichen“, ist aber als aktives Streben anerkannt.

Das Wünschen als Ausdruck einer Hoffnung

Doch nicht jeder hat die Kraft, die Möglichkeiten oder aber die Fähigkeiten, seine Ziele selbstständig anzusteuern. Wie gut, dass es da das Wünschen gibt und noch besser, wenn es Wunscherfüllungsprofis gibt, so wie das Team von Aktion Kindertraum. „Wenn sich ein Kind etwas wünscht, dann erwartet es nicht, dass dieser Wunsch sofort erfüllt wird“, weiß Ute Friese, die Geschäftsführerin von Aktion Kindertraum. „Ein Wunsch ist häufig ein Ausdruck der Hoffnung oder ein Traum, der Kinder, Jugendlichen und ihrer Familien.“

Ute Friese ist klar, die Wünsche, die an Aktion Kindertraum herangetragen werden, können sich die Betroffenen eben nicht selbst erfüllen. „Die Kinder sind häufig krank. Die Familien haben nicht das Geld und oftmals auch nicht die Kontakte oder die Kraft.“ Deshalb richtet sich die Hoffnung auf Aktion Kindertraum.

Ute Friese und Jan Fleißig bei der Charity.
Willis großer Wunsch, einmal nach New York zu reisen, ging in Erfüllung

Vom Wünschen zum Wollen

Ein wunderbares Beispiel dafür, was eine Wunscherfüllung nachhaltig bewirken kann, das ist Willis Reise im Jahr 2018 nach New York. Über den teuersten Wunsch, den Aktion Kindertraum bisher erfüllt hat, gibt es einen ausführlichen Blog-Beitrag.

Zugegeben, das war eine sehr aufwendige Wunscherfüllung, mit mehr als einem Jahr Vorbereitung, aber sie hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Denn die Reise, die Erfüllung von Willis Wunsch wirkte überaus motivierend für ihn und seine Familie: New York „schaffen zu können“, das hat Willi darin bestärkt, trotz seiner enormen körperlichen Einschränkungen, anschließend sein Abitur zu machen und zu studieren.

Für Aktion Kindertraum ist Willis Reise die faszinierende Erfahrung, wie das Wünschen zu einem sehr aktiven und gezielten Wollen ermutigt. Und da sage noch einer „Willi“ wäre kein schöner Name für Kinder, die etwas wollen.

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Robert Exner

„Wer will, findet Wege“, lautet mein Motto. Daher schätze ich so sehr die unkomplizierte, konstruktive Arbeitsweise von Ute und ihrem Team und begleite die Öffentlichkeitsarbeit von Aktion Kindertraum seit mehr als zwanzig Jahren. Genauso lange gibt es mein Büro fundwort für Text, PR- und Fundraising. Neben sozialen Themen liegen mir Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation am Herzen.

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