Für viele Kinder und Jugendliche ist Sport ein wichtiger Ausgleich. Er schafft Gemeinschaft, stärkt das Selbstvertrauen und gibt ein Gefühl von Freiheit. Für junge Menschen mit körperlichen Einschränkungen gilt das umso mehr. Doch damit Sport auf Augenhöhe möglich ist, braucht es nicht nur Leidenschaft und Training, sondern auch das richtige Equipment. Für Rollstuhlsportler ist das ein individuell angepasster Sportrollstuhl. Für junge Talente wie Abdullah, Jan, Justice, Nick, Lucas, Sebastian oder Marcel war der Wunsch nach einem solchen Rollstuhl mehr als nur ein materielles Ziel, es war der Schlüssel zu Teilhabe, Bewegung und sportlicher Entwicklung.
Ein Sportrollstuhl ist kein Luxusgegenstand. Er ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass junge Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am Leben teilhaben können, ihre Träume verwirklichen, sich selbst herauszufordern und über somit über sich selbst hinaus wachsen.
Rollstuhlsport: Wenn der Weg zum Ziel auf Rädern führt
Rollstuhlbasketball zählt zu den bekanntesten und dynamischsten Rollstuhlsportarten. Seine Ursprünge reichen zurück ins Jahr 1946, als verwundete amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA Möglichkeiten suchten, weiterhin aktiv zu bleiben. Was als Rehabilitationssport begann, hat sich längst zu einem internationalen Leistungssport mit eigenen Ligen, Weltmeisterschaften und sogar den Paralympics entwickelt.
Doch damit junge Menschen überhaupt in diesen Sport hineinfinden, ist eines unerlässlich: Ein spezieller Rollstuhl, der nicht nur sicher, sondern auch leistungsfähig ist, ein sogenannter Aktiv- oder Sportrollstuhl.

Ein Sportrollstuhl – maßgeschneidert für den Erfolg
Anders als ein Alltagsrollstuhl ist ein Sportrollstuhl leichter, wendiger und deutlich robuster. Die Räder sind oft schräg gestellt, damit schnelle Richtungswechsel möglich sind. Der Rahmen ist meist aus Aluminium oder Carbon und damit extrem stabil, aber dennoch federleicht. Jeder Stuhl wird individuell an Körpergröße, Gewicht, Einschränkung und die jeweilige Sportart angepasst.
Es gibt unterschiedliche Varianten für verschiedene Sportarten:
- Basketball-Rollstühle: Sie haben eine breite Radstellung für maximale Stabilität, ein zusätzliches Vorderrad zum Schutz und spezielle Greifreifen, die blitzschnelle Manöver ermöglichen.
- Tennis-Rollstühle: Diese sind besonders wendig, oft mit stark geneigten Rädern, damit schnelle Seitwärtsbewegungen möglich sind.
- Rennrollstühle: Für die Leichtathletik entwickelt, ähneln sie eher kleinen Formel-1-Wagen mit verlängertem Radstand und drei Rädern.
- Rugby-Rollstühle: Diese sind besonders massiv und mit Stoßfängern versehen für einen Sport, der deutlich härter zur Sache geht.
Ein Sportrollstuhl kostet schnell mehrere tausend Euro und oft deutlich mehr als ein gutes Mountainbike. Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel nicht. Aktion Kindertraum hilft mit Herz, Engagement und Spenden dort, wo staatliche Unterstützung endet und springt hier ein.

Wenn die Diagnose das Leben verändert und der Sport neue Perspektiven schenkt
Junge Menschen, die sich einen Sportrollstuhl wünschen, haben oft sehr unterschiedliche medizinische Hintergründe. Was sie verbindet, ist ihre Motivation und der Wunsch, sich trotz Einschränkung aktiv zu bewegen.
Jan spielt in der Rollstuhlbasketballnationalmannschaft
Jan Sadler aus Hannover ist querschnittsgelähmt und gleichzeitig ein sehr aktiver Sportler. Jan wurde mit der Erkrankung Spina bifida, einem sogenannten „offenen Rücken“ geboren. Dabei entwickelt sich die Wirbelsäule nicht vollständig, was zu Lähmungen und einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit führt. Sport hilft dabei, den Körper zu stabilisieren und Muskeln zu stärken.
Jan spielt liebend gerne Basketball. Im Jahr 2010 lebte er noch im Sportinternat Hannover. Er trainierte im Olympiastützpunkt, spielte in der 2. Basketballbundesliga und in der Rollstuhlbasketballnationalmannschaft U19. Außerdem war Jan noch aktiver Spieler der Rollstuhlsportgemeinschaft Langenhagen. Aktion Kindertraum erfüllte ihm im Alter von 16 Jahren seinen sehnlichsten Herzenswunsch: Einen auf ihn angepassten Sportrollstuhl. Im Jahr 2013 wurde Jan sogar U23-Weltmeister im Rollstuhlbasketball. Jan ist inzwischen fest gebucht bei der Herren-Nationalmannschaft und verfolgt seinen Sport voller Leidenschaft.

Nick steigt zum Tennisprofi im Rollstuhltennis auf
Nick wurde von Aktion Kindertraum ein großer Wunsch erfüllt, der ihm enorm viel bedeutete: Professionelle Trainerstunden im Rollstuhltennis bei Christoph Kellermann, dem langjährigen Bundestrainer der deutschen Rollstuhltennis-Nationalmannschaft.
Für Nick waren die professionellen Trainerstunden nicht nur eine sportliche Bereicherung, sondern auch ein wichtiger Schritt auf seinem persönlichen Weg. Er konnte an seiner Technik feilen, neue Impulse aufnehmen und noch mehr Selbstvertrauen tanken, im Spiel wie im Leben. Mit viel Ehrgeiz und Talent erkämpfte Nick sich den Titel des Deutschen Meisters und stand 2017 im Finale der renommierten German Open.
Nick lebt neben der Bewegung, die Gemeinschaft und den internationalen Austausch. Bereits 2010 sammelte er unvergessliche Eindrücke, als er mit Jugendlichen aus aller Welt an einem Fun- und Fitnesscamp in Seoul, Südkorea teilnahm.
Einen angepassten Sportrollstuhl für Abdullah aus dem Irak
Dass Abdullah aus dem Irak seine Leidenschaft für Rollstuhlbasketball entdeckt hat, ist leider dem Krieg geschuldet. Seit einem Bombenanschlag in Bagdad ist er querschnittsgelähmt. Im Alter von nur 11 Jahren kam er als unbegleiteter Flüchtling ganz alleine nach Deutschland und lebt seitdem in einem Internat für körperbehinderte Kinder in Süddeutschland.
Abdullah ist ein genügsamer junger Mann. Er wollte kein neues Handy oder eine Spielekonsole, sondern einfach nur einen guten Sportrollstuhl. Er liebt die Bewegung und spielt seitdem er in Deutschland ist leidenschaftlich gern Rollstuhl-Basketball. Aktion Kindertraum hat ihm sehr gerne diesen Wunsch erfüllt.
Dank seiner Willenskraft hat er es in den Landeskader Baden-Württemberg geschafft im Rollstuhl-Basketball. „Von Aktion Kindertraum habe ich einen sportgerechten Rollstuhl bekommen, dafür bin ich sehr dankbar und ich hab mich total gefreut„, strahlte Abdullah. Abdullah kann dank des neuen Rollstuhls mit seinen Teammitgliedern mithalten und ist überglücklich.
„Nur mit einem solchen Rollstuhl hat Abdullah die Chance, sich in der Bundesliga durchzusetzen„, erklärt Christa Weber. Die Trainerin lässt ihren Schützling bereits in der zweiten Bundesliga mitspielen.
Wenn Träume Rollen bekommen: Zwei neue Tennisrollstühle für sportbegeisterte Kinder
Es begann mit einem großen Wunsch: Mehrere Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen aus Nordrhein-Westfalen wollten unbedingt am Kindertraining für Rollstuhltennis teilnehmen. Die Begeisterung für diese dynamische, inklusive Sportart war sofort spürbar, aber um wirklich mitmachen zu können, brauchten die Kinder spezielle Tennisrollstühle.
Im Gegensatz zu Alltagsrollstühlen, die eher für Mobilität im täglichen Leben ausgelegt sind, müssen Tennisrollstühle besonders leicht und extrem wendig sein. Nur so können schnelle Richtungswechsel und präzise Bewegungen auf dem Tennisplatz gelingen. Doch genau diese spezialisierten Modelle sind zu teuer für viele Familien, die bereits hohe Kosten für Ausrüstung und Training stemmen müssen. Dank gezielter Unterstützung konnte dieser Traum dennoch Wirklichkeit werden und zwei professionelle Tennisrollstühle wurden dank Aktion Kindertraum angeschafft .
Die Kinder des Kölner Rollstuhltennis-Projekts können nun endlich unter optimalen Bedingungen trainieren. Die leider mittlerweile verstorbene Regina Isecke, erfolgreiche Rollstuhlsportlerin und Initiatorin des Projekts, beschrieb bewegend, was das bedeutet:
„Die Rollis sind sehr wendig und vor allem leichtgängig. Pauline z. B. war gestern das erste Mal beim Training und ist restlos begeistert – die Eltern unterstützen enorm und fahren 60 km, nur um ihrem Kind das Rollitennis zu ermöglichen. Wir probierten den Tennisstuhl mit ihr aus und er passt. Ich versprach ihr, dass sie die nächste Zeit mit diesem Stuhl trainieren darf – so eine Freude in ihrem Gesicht und ein Funkeln in ihren Augen – einfach nur schön. Für mich ist das meine Erfüllung und meine Bestimmung. Danke nochmals für diese Förderung – die Kids sind überglücklich.„
Aktiver Rollstuhlbasketball trotz einer seltenen Krankheit
Sebastian ist am Proteus-Syndrom erkrankt. Darunter versteht man einen lokalen Großwuchs verschiedener Körperteile. Deshalb musste Sebastian schon etliche Male in seinem Leben operiert werden und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Trotz des Handicaps ist Sebastian ein begeisterter Sportler. Er ist ein großes Talent in der U22-Nationalmannschaft im Basketballrollstuhlsport. Damit Sebastian weiterhin auf seinem hohen Niveau den Sport ausüben kann, benötigte er einen für ihn angepassten Sportrollstuhl. Diesen Wunsch hat Aktion Kindertraum dem Nachwuchssportler herzlich gerne erfüllt.

Justice gibt alles für den Sport
Justice hat einen angeborenen Herzfehler, aber einen umso stärkeren Willen. Justice besucht eine Behindertenschule in der Nähe von Heidelberg und begann im Verein Rollstuhlbasketball zu spielen, wobei er seine Leidenschaft für diesen Sport entdeckte und sich als echtes Talent entpuppte. Sein Handicap hindert ihn nicht daran, alles für seinen Verein zu geben. Er engagiert sich im Training, nimmt an Turnieren teil und strahlt dabei eine unglaubliche Lebensfreude aus.
Der Sport selbst veränderte schon vieles bei dem jungen Sportler, so hat er sich neben der Schule hat er sich auch privat neue Ziele gesetzt. Alles für den Sport zu geben, ist für Justice Ehrensache. Da er jedoch bislang keinen passenden Sportrollstuhl besaß, war er gezwungen immer in abgelegten Vereinsrollstühlen zu trainieren und zu spielen.
Bei Schulturnieren lieh er sich bei dem einen oder anderen Bundesligaspieler einen Rolli aus. Das war natürlich kein angenehmer Dauerzustand für Justice. Das engagierte Nachwuchstalent wünschte sich daher nichts mehr, als einen für ihn angepassten Sportrollstuhl, um sich in seinem Sport weiterentwickeln, seine Leistungsfähigkeit voll abzurufen. Sein individuell angepasster Rollstuhl von Aktion Kindertraum war für ihn der Start in ein neues, sportliches Kapitel.

Ein sportlicher Wunsch wird wahr – Lucas und sein Traum vom Tennisrollstuhl
Lucas ist leidenschaftlicher Fußballfan und vor einigen Jahren entdeckte er eine zweite große Liebe, das Rollstuhltennis. Seitdem trainierte er regelmäßig mit einer kleinen Gruppe und Trainer Christoph Kellermann. Einmal pro Woche gab er auf dem Platz alles.
Doch das Training im Alltagsrollstuhl stellte ihn vor große Herausforderungen. Die Bewegungen waren kraftaufwendig, die Wendigkeit begrenzt und vor allem bei schnellen Ballwechseln stieß Lucas an die Grenzen seines Rollis. Sein Herzenswunsch war ein speziell angepasster Sportrollstuhl, der ihm nicht nur mehr Bewegungsfreiheit, sondern auch Schnelligkeit und Sicherheit auf dem Court ermöglicht.
Dank der Erfüllung dieses Wunsches konnte Lucas schließlich in seinen neuen Tennisrollstuhl steigen und der Unterschied war gewaltig. Für ihn war es „wie der Umstieg vom VW auf einen Porsche“. Endlich konnte er sich frei über das Spielfeld bewegen, blitzschnell ans Netz und wieder zurück ohne ständig gegen die Einschränkungen des Alltagsrollstuhls kämpfen zu müssen.

Einen Aktivsportrollstuhl für Marcel
Marcel leidet wie Jan unter Spina bifida und teilt mit Jan das gleiche große Hobby: Er ist leidenschaftlicher Rollstuhl-Basketballspieler. Seinen Herzenswunsch, einen speziell auf ihn angepassten Sportrollstuhl, konnten die Eltern nicht erfüllen, da es finanziell nicht zu leisten war.
Aktion Kindertraum konnte Marcel hierbei unterstützen. Nach einer Spendenaktion vom Hannover Airport wurde eine große Spendensumme an Aktion Kindertraum überreicht, so dass Marcel jetzt mit seinem schnellen Sportrollstuhl gut mithalten kann in seiner Mannschaft. Er ist einfach nur glücklich.

„Ich kann endlich mithalten!“
Was all unsere jungen Sportler gemeinsam sagen: Der Moment, in dem sie zum ersten Mal in ihren neuen Rollstuhl steigen, ist unvergesslich. Plötzlich ist da Beweglichkeit, Kraft, Wendigkeit und die Gewissheit, dazu zu gehören und nicht außen vor zu sein.
Wie es Sebastian, der „rasende Rollstuhlbasketballer“, so treffend formuliert:
„Dank meines neuen Rollstuhls kann ich wieder angreifen. Ich bin stabiler, schneller, dominanter und einfach glücklicher. Danke, dass ich jetzt ganz vorne mit dabei sein kann.“