Die Knauers sind in Hamburg nicht zu übersehen: Denn ein Denkmal, der Andreasbrunnen, steht prominent im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Es lädt dazu ein, sich bei schönem Wetter einen Moment auf dem Sockel niederzulassen und einfach kurz auszuruhen. Errichtet wurde es schon zu Ehren von Georg Andreas Knauer (1759 – 1828), einem ehrbaren, hanseatischen Kaufmann. Und ein Vorfahre von Sebastian Knauer.

Ehrbar ist sein Nachfahre traditionellerweise natürlich ebenso – nur dass er kein Kaufmann ist, sondern Pianist! Und zwar einer jener, die auf weltweit bedeutenden Bühnen spielen. Sei es in London, Zürich, Mailand, Toronto, New York City, Rio de Janeiro oder in Shanghai. Bei uns, also bei Aktion Kindertraum, ist er neuerdings auch als Botschafter – für das Pilotprojekt „Aus der Stille in den Klang“. Ebenso wie neuerdings häufig in der Politik gibt es übrigens auch bei uns für dieses tolle Projekt eine Doppelspitze in Sachen Botschafter: Der zweite im Boot, pardon, an der Spitze, ist der bekannte DJ und Musikproduzent Mousse T. aus Hannover.

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Vor laufender Kamera erklärt Sebastian Knauer, warum der Botschafter für das Projekt „Aus der Stille in den Klang“ geworden ist.
Schon mit vier Jahren am Klavier …

Aber zurück zu Sebastian: Im zarten Alter von vier Jahren begann der heute Fünfzigjährige bereits mit dem Klavierspiel. Und mit 14 Jahren gab er sein erstes, großes Konzert in Hamburg. Heute sprechen Kritiker immer wieder von seinem „unglaublichen Anschlag“ – sein gefühlvolles Spiel auf den Tasten.

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In der Ruhe – und am Flügel – liegt bei Sebastian Knauer die Kraft.

Das Repertoire Sebastian Knauers ist vielfältig und reicht vom Barock bis in die Moderne. In seiner Diskografie ist vermerkt, dass seine erste CD-Einspielung 1998 die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin gewesen ist. Ein Hinweis, dass sich der Pianist in musikalischen Gefilden auch jenseits der Klassik virtuos bewegen kann. „Ich war schon immer offen auch für anspruchsvolle Musik, die nicht von Bach, Brahms, Mozart, Haydn oder Schubert stammt.“, sagt der Musiker.

Und ganz plötzlich rollte das Piano davon…

Sebastian ist bei unserem ersten Interview erst einmal sehr froh, dass er inzwischen wieder Live-Konzerte geben kann. Denn wie viele seiner Kollegen musste Sebastian Knauer sich in den Hochphasen der Corona-Pandemie auf Streaming-Übertragungen einstellen. Als Pianist ist er, oft mit großem Orchester auftretend, gleichwohl Solo-Künstler. Dass sein Instrument nicht nur musikalische Eigenheiten aufweist, erfuhr er bei einem Konzert in Bonn. „Offenbar hatte ein Bühnenarbeiter vergessen, die Rollen des Flügels ordentlich festzustellen. Als ich anfing zu spielen, rollte das gute Stück plötzlich und ich musste kurz im Mitgehen weiterspielen.“ Ach so, ja, diesen Musiker kann wohl kaum etwas erschüttern…

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Sebastian Knauer am Flügel in Action.
Wort trifft Musik

Studiert hat Sebastian Knauer unter anderem in Hamburg an der Hochschule für Musik und Theater bei dem Pianisten und Professor Gernot Kahl. „Bei ihm habe ich gelernt, wie wichtig die Anschlagskultur beim Pianospielen ist. Denn jeder Ton wird von mir erzeugt: Ich gebe ihm also meine besondere persönliche, unverwechselbare Note!“ Dazu zählen zweifellos auch ganz spezielle Projekte im klassischen Genre – wie  beispielsweise mit der Schauspielerin Hannelore Elsner (1942 – 2019). Mit ihr begann Sebastian seine Reihe „Wort trifft Musik“. Und:  Damals schuf er auch das romantische Programm „George Sand und Frédéric Chopin – ein Winter auf Mallorca“. Mittlerweile kommt Sebastian auf mehr als 50 Wort-und-Musik-Projekte, unter anderem auch mit Hannelore Hoger, Martina Gedeck, Iris Berben, Katja Riemann, Ulrich Tukur oder Klaus Maria Brandauer.

Klassische und moderne Musik zusammenbringen

Ohnehin hat Sebastian Knauer einen sehr langen Atem: So spielte er bereits sämtliche 27 Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, alle Klavierkonzerte von Joseph Haydn folgten mit den Bamberger Symphonikern. Der Komponist Arash Safaian schrieb für ihn zwei Konzertzyklen: „ÜberBach“ – für diese Einspielung wurde Sebastian Knauer mit dem ECHO Klassik 2017 ausgezeichnet – und „This is (not) Beethoven – Variations for Piano & Orchestra“: Damit erlangte er 2020 Streamingzahlen im Millionenbereich. Auch in diesem Jahr 2021 erschien eine weitere CD mit ganz besonderem Repertoire: „The Mozart/Nyman Concert“. Erneut bringt Sebastian hier Klassik mit einem modernen Komponisten, Michael Nyman, zusammen. Dieser komponierte für Sebastian Knauer die Stücke auf dieser CD und ist unter anderem bekannt für seine Titelmusik zum dem Kinofilm „Das Piano“. Auf dieser Einspielung wirken beide kongenial zusammen.

Aber Sebastian Knauer, der inzwischen auch als künstlerischer Leiter mehrerer Festivals und Radio Moderator fungiert, weiß auch um das Verantwortungsbewusstsein als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. 2003 gab er in Shanghai ein Benefizkonzert für die Opfer der SARS-Epidemie in China; 2017 organsierte er ein Sonderkonzert im Nachgang der teilweise gewalttätigen Ausschreitungen des G20-Gipfels in Hamburg „für mehr als 1.000 Polizistinnen und Polizisten und deren Angehörige in der Elbphilharmonie. Ich habe dem Konzert den Titel ,RESPEKT‘ gegeben“, sagt er zurückblickend. Da nimmt es nicht Wunder, dass der Pianist sich sogleich für das Projekt „Aus der Stille in den Klang“ begeisterte als Ute Friese, Gründerin und Geschäftsführerin von Aktion Kindertraum, ihm davon persönlich berichtete.

„Mein Gehör ist von größter Bedeutung…“

Sebastian Knauer stellt fest: „Als Musiker ist mein Gehör von größter Bedeutung. Und es ist für mich unvorstellbar, wie es sich anfühlen muss, ohne dieses Sinnesorgan leben zu müssen. Um so mehr berührt es mich und macht mich dankbar, dass es mit ,Aus  der Stille in den Klang‘ eine Initiative gibt, die es hörgeschädigten Kindern ermöglicht, trotzdem Musik besser wahrzunehmen. Und sie damit der Welt und ihrem Umfeld ein ganz wichtiges Stück näher bringt. Genau aus diesem Grund engagiere ich mich für dieses Projekt und gebe dieser wundervollen Einrichtung meine größtmögliche Unterstützung.“ Dafür sind ihm Aktion Kindertraum und alle Beteiligten des Projekts „Aus der Stille in den Klang“ sehr dankbar.

 

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Ute Friese, Geschäftsführerin und Gründerin von Aktion Kindertraum, mit dem Autor dieses Artikels (und Chefredakteur der Zeitschrift Max) Andreas Wrede und Sebastian Knauer (Foto rechts) in der Stillen Station.

Hier erklärt uns Sebastian Kanuer, warum er bei unserem Projekt mitmacht. Denn auch er war bei unserem ersten kreativen Treffen bezüglich des neuen Projekts „Aus der Stille in den Klang“ in der Stillen Station mit dabei: