„Wie süß ist der denn?“ „So knuddelig und weich!“ „Oh, wie tollpatschig!“ – Zugegeben, gerade bei jungen Hunden ahnen Laien noch nicht, dass daraus einmal vielleicht sehr aufmerksame Helfer werden können: Assistenzhunde für Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen. Was diese Hunde nach ihrer umfassenden Ausbildung alles leisten können, das schildert unser Blog-Beitrag „Assistenzhunde – Lebensretter auf vier Pfoten“.
Doch wie wird aus so einem verspielten Vierbeiner ein lebenswichtiger Assistenzhund? Welche Ausbildung ist dafür erforderlich? Das und anderes mehr erfahren Sie hier.

Wesensstark, sozial kompetent und gesund
„Man muss schon als Assistenzhund geboren werden.“ So könnte man es etwas flapsig formulieren. Gemeint ist damit, dass Welpen von Anfang an bestimmtes Verhalten zeigen und bestimmte Eigenschaften haben müssen, um aus einem Hundewurf für die langwierige und kostspielige Ausbildung ausgewählt zu werden. Denn grundsätzlich werden dabei vorhandene Eigenschaften des Tieres positiv und artgerecht verstärkt. Damit dies gelingt, muss der Hund mit Freude bei der Sache sein, eine Ausbildung darf nie dem Wesen des Tieres widersprechen.
Zu den spezifischen Eigenschaften der heranwachsenden Assistenzhunde zählen:
- Wesensstärke: Ein Assistenzhund sollte ein stabiles und ausgeglichenes Temperament haben, um in verschiedenen Situationen ruhig und gelassen zu bleiben.
- Lernbereitschaft: Ein Assistenzhund-Welpe muss eine hohe Lernbereitschaft und einen ausgeprägten Arbeitswillen haben.
- Soziale Fähigkeiten: Er sollte gut sozialisiert sein und positiv auf andere Hunde, Menschen und neue Situationen reagieren.
- Geringes Aggressionspotential: Ein Assistenzhund darf keine ausgeprägte Aggressivität zeigen, Schreckhaftigkeit oder Revierverteidigung. Im Notfall muss er Helfer an seinen Menschen heranlassen.
- Mangel an Jagdtrieb: Ein unkontrollierter Jagdtrieb kann die Ausbildung und später die Assistenz erschweren. Daher werden Welpen ausgewählt, die auch in diesem Bereich gelassen reagieren.
- Körperliche Belastbarkeit: Die Größe und das Gewicht des Hundes sollten für die vorgesehenen Aufgaben geeignet sein und er sollte körperlich belastbar sein.
- Gesundheit: Er darf keine schwerwiegenden Erkrankungen haben, die die Ausbildung beeinträchtigen könnten, dies ist durch ein Attest zu belegen: „Die gesundheitliche Eignung ist durch eine tierärztliche Untersuchung festzustellen. Bei der tierärztlichen Untersuchung muss der Hund mindestens zwölf Monate alt sein.“ So schreibt es die AHundV (Assistenzhundeverordnung) vor. Darin ist auch festgelegt, dass tätige Assistenzhunde regelmäßig untersucht werden müssen: „Der Assistenzhund ist einmal jährlich tierärztlich dahingehend zu untersuchen, ob seine gesundheitliche Eignung fortbesteht.“ § 25 AHundV.

Wie werden Assistenzhunde ausgebildet?
Die Ausbildung zum Assistenzhund dauert zwischen 1,5 und 2 Jahren. Sie beginnt meist schon im Welpenalter mit der Sozialisierung und der Schulung von Grundgehorsam – also dem Erlernen von Regeln, den Umgang mit Umweltreizen und dem Aufbau von Vertrauen zum Menschen. Danach folgt die spezialisierte Assistenz-Ausbildung, je nach späterem Einsatzgebiet. Hat der betroffene Mensch mehrere Behinderungen, dann ist sogar eine duale Ausbildung auf zwei Assistenzhundearten möglich.
Die wesentlichen Ausbildungsphasen
- Basisausbildung des Hundes: (Sozialisation und Grundausbildung)
- Gesundheitsuntersuchung des Hundes (bei einem Fachtierarzt)
- Eignungsüberprüfung (bei einer Assistenzhundeschule), Überprüfung Basisausbildung, Charakter und individuelle Eignung des Hundes. Zugleich wird geprüft, ob der Mensch Bedarf und Anspruch auf einen Assistenzhund hat, das ist z.B. durch ein Attest vom Facharzt nachzuweisen
Erst nach Bestehen des Gesundheitschecks und der Eignungsüberprüfung darf der Hund starten
- Individuelle Assistenzhundeausbildung mit vorgegebenen Pflichtstunden in einer Assistenzhundeschule
- Abschlussprüfung (bei einer externen Prüfstelle)

Viel zu lernen – für Hund und Halter
Von Anfang an wird der betroffene Mensch mit einbezogen. Bei Kindern und Jugendlichen oftmals auch die Familien, denn die Eltern sind dann ja die Hundehalter.
Die Assistenzhundeverordnung sieht daher als dritte Säule der Ausbildung die theoretische Sachkunde vor. „Zur theoretischen Ausbildung gehört die Vermittlung und Aneignung der erforderlichen Kenntnisse in Bezug auf Tierschutz, Haltung, Gesundheit, Wesen und Verhalten des Assistenzhundes. Dazu zählen Kenntnisse über die tägliche Versorgung, Gesundheitsfürsorge, Pflege, artgemäße Haltung, Auslastung und Beschäftigung sowie Ruhebedürfnis des Hundes.“
Der Hund und sein Mensch
Das enge Zusammenspiel von Assistenzhund und seinem Menschen verdeutlicht ein Ausschnitt aus einem Ausbildungsbericht zu einem Autismusbegleithund. Die Ausbildung hat Aktion Kindertraum für Shuwei – ein Junge mit Störungen aus dem Autismus-Spektrum – finanziert und die Hundetrainerin Jutta Schleehauf berichtete uns:
„Letzte Woche war Shuwei mit seinem Hund Violet und seinem Vater im Ausbildungszentrum, um zu zeigen, wie weit sie mittlerweile in ihrem Training vorangekommen sind.
Am besten gefällt Shuwei, wenn er mit Violet über die Wiesen toben kann und sie ihm die geworfene Frisbee zurückbringt. Es ist erstaunlich, wie lange er sich auf dieses Spiel einlassen kann.
Violet hat gelernt, sich auf das Kommando ´Brücke´ hin auf Shuweis Beine abzulegen. Das gibt ihm Ruhe und Sicherheit in Situationen, die ihn ansonsten sehr beunruhigen. Auf Aufforderung leckt die Hündin Shuweis kleinen zarte Hände, was ihn schnell ablenkt, wenn die Gefahr besteht, dass er sich ansonsten in was hineinsteigert. Wenn sich Shuwei nun irgendwo versteckt hält, bekommt Violet den Auftrag den Jungen zu suchen und ist nicht mehr zu halten. Dank ihrer feinen Nase dauert es nur wenige Sekunden bis sie ihn wieder aufgefunden hat.“

Aktion Kindertraum beteiligt sich an Ausbildungskosten
So wie bei Shuwei und seinem Hund Violet hat Aktion Kindertraum bereits für mehr als 100 Hunde – die anschließend Kinder mit besonderem Bedarf begleiten – die Ausbildungskosten übernommen. Die Anschaffungs- und Tierarztkosten, der Aufwand für Futter, Haltung und Pflege des Assistenzhundes müssen die Familien allerdings selber leisten.
Wie umfangreich Ausbildung-, Eignungsprüfung und die vielen kleinen Schritte sind, bis aus einem verspielten Hundewelpen ein richtiger Assistenzhund wird, das zeigt auch unser Video über die Arbeit der Hundetrainerin Carina Stanek. Darin schildert sie den Weg zum Diabetikerwarnhund.
„Der Hund muss zur Familie passen“
Im Gespräch erläutert die Hundetrainerin, dass der Einsatz von Assistenzhunden schon für Kleinkinder denkbar sei. Unabhängig vom Alter der Kinder sei die Grundvoraussetzung, dass der Hund und die Familie zusammen passen. „Auch Assistenzhunde sind in erster Linie Hunde, mit ihren typischen Bedürfnissen nach Bewegung und Auslauf, das sollte jeder Familie klar sein“, so Stanek. „Ich muss mit beiden üben, mit Hund und Mensch“, so die Trainerin weiter. Auf der anderen Seite hat sie beobachtet, wie entspannend Assistenzhunde in der Familie wirken: „Das betroffene Kind kann in eine bisher kaum erreichte Leichtigkeit kommen und die Eltern werden entlastet, können sich zeitweise zurückziehen.“
Passt ein Assistenzhund in unsere Familie?
In unserem nächsten Blog-Beitrag über diese charakterstarken, vierbeinigen Helfer widmen wir uns noch stärker dem Menschen. Welche Voraussetzungen müssen für eine gute Assistenzhund-Menschen-Gemeinschaft erfüllt sein? Was müssen Familien wissen? In welchen Fällen kann Aktion Kindertraum helfen?
Anderthalb Jahre, vielleicht sogar zwei Jahre Ausbildung und Training zum Assistenzhund, das hört sich sehr aufwändig an. Carina Stanek kennt die Bedenken und Zweifel der Betroffenen, von Familien und Eltern. Sie weiß aber auch: „Das ist eine spannende, intensive und sehr schöne Zeit: Der Hund hat Freude und der Mensch hat Freude.“