Die Lebens- und Berufswege von Beate Herschel sind vielfältig und vielschichtig. Bei Aktion Kindertraum ist sie Wunscherfüllerin und „Twinky“-Koordinatorin. Dass ausgerechnet Beate heute das deutschlandweite Twinky-Netzwerk organisiert, überrascht eigentlich nicht, denn sie verbindet schon ihr ihr ganzes Leben zwei Aspekte: Herz und Hand.
Wo das Herz den Weg weist
1963 – ein ereignisreiches Jahr:
- US-Präsident John F. Kennedy hält im geteilten Berlin seine Rede mit dem legendären Satz: „Ich bin ein Berliner!“
- Konrad Adenauer übergibt die Kanzlerschaft an Ludwig Erhard.
- Beate Herschel erblickt in Garbsen bei Hannover das Licht der Welt.

In Garbsen, das erstmals 1223 urkundlich erwähnt wurde, ging Beate Herschel zur Schule und machte ihre Mittlere Reife. Sie wusste schon ziemlich schnell, in welche Richtung sie als junge Frau beruflich gehen wollte. „Ich konnte immer schon gut mit Kindern zusammen sein und so entschloss ich mich, eine Ausbildung zur Erzieherin in Hannover zu machen, die seinerzeit fünf Jahre dauerte.“ Sie hat diese Ausbildung als sehr prägend für ihre Persönlichkeitsentwicklung empfunden, „denn mir wurde im Rahmen dieser Ausbildung vor Augen geführt, was es für Leid und was es für Schicksale geben konnte.“ Beate ist dankbar, dass sie selbst in einem behüteten Elternhaus groß geworden ist.
Inklusion beginnt im Herzen

Ein Schwerpunkt ihrer Lehrjahre war die Arbeit mit behinderten Menschen. Schon früh bemerkte Beate, dass deren Integration in die Gesellschaft überhaupt nicht stattfand – die Allgemeinheit verortete Behinderte eher am Rande der staatlichen Gemeinschaft. „Von Inklusion konnte keine Rede sein“, erinnert sich Beate Herschel, „dieser Begriff war noch nicht geläufig.“ Allerdings hat sie den Begriff schon damals gelebt, voller Überzeugung nämlich, dass alle Menschen einen gleichberechtigten Platz in unserer Mitte einnehmen sollten. Und wenn sie dafür nicht immer selbst sorgen können, „dann müssen wir ihnen dabei helfen“, betont die Mitarbeiterin von Aktion Kindertraum mit Nachdruck und voller Überzeugung.
Und weil Beate Herschel Zeit ihres Lebens, bis heute, stets neugierig, menschenfreundlich und wissensdurstig ist, entschied sie sich im Rahmen einer ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) im hannoverschen Multikulti-Stadtteil Linden in der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu arbeiten.
Mit Herz gedacht. Mit Hand gestaltet.

Aber Beate Herschel spürte nach drei Jahren, „dass auch mein zweites Herz schlug, und zwar für die Kreativität.“ Weil Beate Herschel immer schon ihren eigenen Kopf hatte, von den beiden Herzen, die in ihr schlagen ganz zu schweigen, entschloss sie sich in Hannover Design im Diplom-Studiengang zu studieren. Wie das mit der Mittleren Reife? Ganz einfach, „das Abitur habe ich während meiner ersten Ausbildung nachgeholt“, wie sie eben so ist, hat sie nicht lange gezögert. Sie hat es ganz einfach gemacht.

Beate Herschel, das werden Sie mittlerweile bemerkt haben, ist eine Frau der Taten, vieler Taten. Rasch kristallisierten sich bei ihrem „Wechsel vom pädagogischen Bereich ins kreative Feld“, zwei besondere Studien-Schwerpunkte heraus. Zum einen war es die Fotografie, zum anderen war es der Siebdruck, beide Gebiete erlaubten ihr größtmögliche kreative Autonomie. Beides, also Kreativität und Pädagogik, konnte sie mithin in einer Druckerei leben, dort brachte sie jungen, arbeitslosen Frauen den Siebdruck bei. Und Beate Herschel liebte „die Mischung aus künstlerischem und praktischem Schaffen mit sozialen Aufgaben.“

Herz für die Kleinsten
Zu dieser Zeit arbeitete ihr heutiger Ehemann in Düsseldorf, somit führte das Paar eine Fernbeziehung. Im Mutterschutz zog Familienmensch Beate zu ihm. Nach zweieinhalb Jahren kehrte die Familie, nun zu viert, schließlich zurück nach Hannover, zur Freude der Großfamilie und einiger Freunde. In Hannover wurde das dritte Kind geboren und machte die Familie komplett.
Obwohl sie als junge Mutter wenig Zeit hatte, blieb sie dabei, Baby-Schwimmkurse zu leiten, was sie insgesamt drei Jahrzehnte lang ausübte. Die Zahl der fröhlich planschenden Kinderlein, die in der glücklichen Lage waren, dass man ihnen gutgelaunt das Schwimmen beibrachte, vermag Beate Herschel nicht zu zählen, es dürften mindestens viele, viele Hunderte gewesen sein.

Hand und Herz hatte sie aber nicht nur für Babys im Wasser, sie war 20 Jahre selbständig als Baby-Fotografin an der renommierten Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unterwegs. Heute noch bekommt sie ab und an den Auftrag, ein Neugeborenes in liebevoller Ästhetik abzubilden.
Wo Herz und Hand zusammenfinden
Beate Herschel ist sehr sportlich – „ich jogge und tanze Zumba in einer Gruppe“ – und beim Sport hat sie im Jahr 2000 Ute Friese, Gründerin und Geschäftsführerin von Aktion Kindertraum, kennengelernt. Ebenso Stefanie Schmeling-Vey, die praktisch von Anfang bei der gemeinnützigen Organisation dabei ist. So hatte Beate schon sehr früh im privaten Raum engen Kontakt zu Aktion Kindertraum und erste tiefe Einblicke in deren ehrenvolle Arbeit.

Und da Beate Herschel, dies haben wir bis hierhin nun zur Genüge erfahren, sehr flexibel ist, hat sie seit 2022 ihren Schreibtisch bei Aktion Kindertraum. Was hat sie denn gereizt, nach ihren vielfältigen und vielschichtigen beruflichen Stationen dort einzusteigen? „Ich hatte ja mitbekommen, wieviel positive Energie gerade die Erfüllung nachhaltiger Wünsche bei Kindern freisetzen kann und da war klar, dass ich meinen Platz als Erfüllerin von Herzenswünschen benachteiligter oder schwerkranker Kinder finden würde.“
Abgesehen davon war sie schon seit ihren Ausbildungstagen als angehende Erzieherin eine Teamplayerin, die zu schätzen weiß, wie viel mehr Gutes man im Team erreichen kann für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien.
Herzenswünsche wirken nach
Besonders gern denkt sie an einen ihrer ersten erfüllten Wünsche zurück: „Ein 16-jähriges Mädchen hatte die sehnlichste Hoffnung einmal bei der TV-Produktion der beliebten Kinder-TV-Serie „Schloss Einstein“ dabei sein zu können. Und dieser Kindertraum wurde dann auch wahr. Einen Tag lang begleitete Amy einen Dreh und bekam sogar noch eine kleine Rolle in einer der Episoden.“ Beate Herschel ist sich sicher: „Diesen Tag wird das Mädchen ihr Leben lang nicht vergessen. Und mir wird dieser besondere Wunsch immer in Erinnerung bleiben.“

Überhaupt: Was Beate Herschel bei der Erfüllung eines jeden Wunsches immer wieder von Herzen freut, „ist die enorme Dankbarkeit für die Erfüllung der Wünsche, das ist immer wunderbar lebensbejahend. Unabhängig vom Grad einer Behinderung oder der Schwere einer Krankheit werden die Wünsche von den Betroffenen und deren Familien als sehr nachhaltig begriffen und eben nicht als Eintagsfliegen.“
Mit Herz und Hand für Twinky
Als Beate im Jahr 2022 bei Aktion Kindertraum anfing, entdeckte sie ein Schnittmuster für Twinky, das Maskottchen von Aktion Kindertraum, und nähte ihren ersten eigenen Traumstern. Im Laufe der Zeit hat sie ein regelrechtes Netzwerk von Frauen in Deutschland aufgebaut, die Twinky in diversen Ausführungen und Größen für die unterschiedlichsten Anlässe nähen. Mehr als 25 Adressen von einzelnen Frauen, Duos und ganzen Frauengruppen hat sie in ihrem elektronischen Ordner, die kunstvoll, unermüdlich und zuverlässig Twinky produzieren. „Ich organisiere das immer sehr gern, denn egal wie klein oder groß der jeweilige handgefertigte Twinky ist, er bereitet immer riesige Freude, kleinen und großen Menschen.“

Beate Herschel wurde Schritt für Schritt die beste Twinky-Kennerin des Teams und gestaltet den Glückbringer passend zu jeder Jahreszeit neu.
Mit ihrem gestalterischen Geschick und dem Fotoapparat designt sie die jährlichen Weihnachtskarten für Aktion Kindertraum.
Für Fotoaktionen beim Kinder-Lebens-Lauf kümmerte sie sich um ein neues und modernes Maskottchen-Kostüm und entwarf einen Twinky, dem man für Fotos sein eigenes Gesicht geben kann, indem man den Kopf durch die dafür vorgesehene Öffnung steckt. Dieser ist handlich und tragbar, sodass auch Kinder im Rollstuhl lustige Fotos von sich machen können. Da zeigt sich, wie sehr Beate Inklusion verinnerlicht hat.
Wer Beate Herschel begegnet, merkt schnell, dass Herz und Hand keine Gegensätze sind. Sie hört zu, organisiert, gestaltet, näht, fotografiert und erfüllt Kinderträume. Alles, was sie in ihrem Berufsleben gelernt hat, findet heute bei Aktion Kindertraum seinen Platz. Und wahrscheinlich ist das ihr größtes Talent: Menschen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen werden.