Barbara Ludewig, 81 Jahre alt, Ehrenamtliche bei Aktion Kindertraum

Helfen erweitert den Horizont: Unsere älteste Ehrenamtliche

Barbara Ludewig ist 81 Jahre alt und unterstützt Aktion Kindertraum bereits seit den Anfängen im Jahr 1999 ehrenamtlich. Früher war sie als Deutsch- und Englischlehrerin sowie als Psychologin tätig. Anlässlich des Tages des Ehrenamts haben wir mit ihr über ihre Erfahrungen aus den vielen Jahren gesprochen. Welches Kind ihr am meisten in Erinnerung geblieben ist, was sie besonders am Ehrenamt schätzt und welchen Stellenwert heute das Ehrenamt hat, erzählt sie uns im Interview. 

Barbara Ludewig, 81 Jahre alt, Ehrenamtliche bei Aktion Kindertraum
Barbara Ludewig, 81 Jahre alt, Ehrenamtliche bei Aktion Kindertraum

Liebe Barbara, wie bist du damals auf Aktion Kindertraum gekommen? 

Ich wollte mich immer irgendwo engagieren, sobald ich nicht mehr für Geld arbeite. Ich habe viele ältere Verwandte betreut, deswegen war der Wunsch da, auch die nachfolgende Generation zu unterstützen. 

In einer finanziell schwierigen Situation kam dann ein Flyer von Aktion Kindertraum per Post bei mir an. Davor kannte ich euch noch nicht. Natürlich wurde um Spenden gebeten, also bin ich zu euch gegangen und habe gesagt: Ich habe leider gerade gar kein Geld, das ich spenden kann, aber ich würde gerne ehrenamtlich mitarbeiten. Bevor ich mich also selbst informieren konnte, kam die Idee selbst auf mich zu. Das war ein richtig schöner Zufall.

Ich habe mehr von der ehrenamtlichen Arbeit profitiert, als Aktion Kindertraum von mir.“

Was gefällt Dir am meisten an der Arbeit bei Aktion Kindertraum?

Ich habe mehr von der ehrenamtlichen Arbeit profitiert, als Aktion Kindertraum selbst von mir. Irgendwann habe ich plötzlich festgestellt: Meine Güte, was hat mir das alles gebracht! Die Tätigkeit hat meinen Horizont in jeder Hinsicht erweitert. Ich habe wirklich immer tolle Leute kennengelernt, egal was sie beruflich oder privat gemacht haben. Alle Leute, die ein Ehrenamt machen, sind generell sehr interessiert. Und wenn sie interessiert sind, dann sind sie auch interessant. 

Barbara (vorne Mitte) und weitere Ehrenamtliche beim Kinder-Lebenslauf
Barbara (vorne Mitte) und weitere Ehrenamtliche beim Kinder-Lebenslauf

Gibt es eine besondere Geschichte eines Kindes, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Da gibt es mehrere. Oft sind es Situationen, bei denen der Vater, wenn es besonders schwierig wird, die Familie verlässt. Ich glaube, ich habe bisher nur einen Vater erlebt, der sich stark für seine Tochter engagiert hat. Und diese Tochter war eine junge Frau, die mich einfach umgehauen hat. Sie hatte, glaube ich, ALS. Trotz aller schrecklichen Vorhersagen, ist sie zur Schule gegangen, hat Rollstuhlsport gemacht und studiert inzwischen. Sie hat eine dermaßen fröhliche Ausstrahlung, dass ich eigentlich jeden Tag an sie denken muss. Mit ihrem Lachen hat sie mir sehr viel mitgegeben und mich bis heute beeindruckt. 

Eine andere Geschichte war ein junges Mädchen, sie war sieben oder acht. Sie hatte Krebs und ihr musste ein Auge entfernt werden. Trotz der tragischen Situation und Chaos in der Familie, wurde sich liebevoll um sie gekümmert. Ich habe sie einmal pro Woche zum therapeutischen Reiten gefahren. Irgendwann kam noch Frau Odenthal als Ehrenamtliche hinzu, die ich später als Freundin gewonnen habe. 

Gibt es noch etwas, das du zum Thema Ehrenamt loswerden möchtest? 

Ich beobachte in der Gesellschaft gerade eine Tendenz, dass jeder für sich bleiben möchte und zusieht, dass er keinen stört. Dadurch kümmert man sich wenig umeinander, nicht weil die Bereitschaft zu helfen nicht da ist, sondern weil jeder Angst hat sich zu offenbaren und “anzubiedern”. Es herrscht ein großer Stolz darüber, dass man autonom ist. Früher war das nicht so. Aber beim Ehrenamt stellen wir nicht nur unsere Zeit zur Verfügung, sondern profitieren ungemein selbst davon. Wenn ich von Menschen höre, die aufhören zu arbeiten, und die sagen „Ach, ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll”, denke ich immer: Mach doch was für andere! Viele sagen “mir passt hier oder dort etwas nicht”, aber man kann es ja erstmal ausprobieren.

Bei Aktion Kindertraum bin ich schon oft über meine Grenzen hinausgewachsen. Zum Beispiel als ich eine Mutter beobachten konnte, die mit so vielen Herausforderungen zu kämpfen hatte und trotzdem sehr fröhlich damit umging. Und wir haben Schwierigkeiten, das anzusehen? Natürlich muss man sich vorsichtig annähern, ohne sich selbst zu überfordern oder etwas zu erzwingen. Aber wenn man das schafft, kann man sehr viel für sich mitnehmen. 

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Gastautoren

An dieser Stelle möchten wir unsere Gastautoren – und natürlich auch deren LeserInnen – begrüßen. Denn neben unserem Blog-Team wollen wir auch anderen Menschen, denen Aktion Kindertraum am Herzen liegt, hier eine Plattform bieten. Dazu gehören: ExpertInnen für spezielle Themen, Mütter oder Väter unserer „Wunschkinder“ – so nennen wir die Kinder, denen wir einen Wunsch erfüllen oder bereits erfüllt haben – MitarbeiterInnen von Partnerorganisationen oder Menschen, die uns mögen und einfach mal über ihre Erfahrungen mit Aktion Kindertraum und den Wunscherfüllungen berichten möchten.
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