Mama Inga wird Therapeutin – für Liah

Eigentlich ist es ein Wunder, dass Ingas Tochter Liah lebt. Nach einer Hirnblutung während der Schwangerschaft im Bauch der Mutter kurz vor der Geburt 2019 glaubten die Ärzte nicht mehr daran, dass das Baby eine Überlebenschance hat. Doch Liah kämpfte sich ins Leben! Nachdem die Eltern schon Sterbehelfer und Bestatter kennengelernt hatten…

Liah zieht den Beatmungsschlauch selbst – und überlebt

Noch während Ärzte und Eltern diskutierten, ob Liahs Beatmungsschlauch entfernt werden solle oder nicht (die Eltern wollten das nicht), zog sich das winzige Mädchen versehentlich den Schlauch selbst – und atmete, entgegen sämtlichen ärztlichen Prognosen. Allerdings: Die Hälfte ihres Gehirns war durch die starken Blutungen zerstört worden. Die Diagnosen und Symptome waren viele, eine davon war Zerebralparese mit Bewegungsstörungen und Spastiken.
Doch Liahs Eltern schöpften Hoffnung: Ihnen wurde von einer Therapeutin vermittelt, dass Liahs Entwicklung allein von ihrem Einsatz abhänge und dass bei jedem Kind viel erreichbar sei. Und so beginnt die Familie diverse Therapien für Liah auszuprobieren – schon bald mit Erfolg. Allerdings: Die teuren Therapien werden entweder gar nicht oder nur teilweise von den Krankenkassen bezahlt. Und so kam 2022 Aktion Kindertraum ins Spiel.

Liahs Wunsch an Aktion Kindertraum: Eine ABM-Therapieeinheit für 3.000 Euro

Großen Erfolg hatten die Eltern bei Liah mit der sogenannten Anat Baniel Method® (ABM). Sie basiert auf wissenschaftlichen Forschungen bezüglich der Fähigkeit unseres Gehirns, sich ständig weiterzuentwickeln und neuronale Verknüpfungen neu bilden zu können. Mit sanften Berührungen und Bewegungen ohne physischen oder psychischen Druck wird der Austausch zwischen Gehirn und Umwelt angeregt. So können teils fehlende Entwicklungslücken ersetzt werden. Allerdings fehlte das Geld, diese Methode, die von der Krankenkasse nicht unterstützt wird, weiter fortzusetzen.
Da kam der Brief der Eltern bei Aktion Kindertraum an: „Wir haben ein wundervolles Mädchen, das gerne lacht und Musik über alles liebt. Wir hoffen sehr und tun alles dafür, dass Liah später ein möglichst eigenständiges Leben führen kann. Ihre Fortschritte mit der ABM sind unglaublich, daher möchten wir damit gerne weiter machen. Bitte erfüllen Sie unseren Wunsch für Liah und übernehmen Sie die Kosten von 3.000 Euro für eine weitere Therapieeinheit.“

Mit der Weiterentwicklung von Liah suchten die Eltern noch nach anderen Therapien

Mit Hilfe der Spender von Aktion Kindertraum konnte die Therapie fortgesetzt werden. Aber dennoch hatten Liahs Eltern das Gefühl, dass sie noch viel mehr erreichen könnten. Eine von Liahs Physiotherapeutinnen hatte von einer anderen Mutter gehört, dass deren Tochter tolle Erfolge und Fortschritte mithilfe der sogenannten NeuroScanBalance®-Methode erziele.
Liahs Mutter Inga, die selbst als Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin arbeitet, war sofort fasziniert. NeuroScanBalance® ist eine eigenständige Entwicklung, die sich an den Grundprinzipien der Feldenkrais-Arbeit orientiert. Sie berührt Ansätze der ABM, zeichnet sich jedoch durch eine besonders sanfte und feingliedrige Arbeitsweise aus, die speziell auf die gezielte Förderung von Kindern ausgerichtet ist. Entwickelt wurde diese Methode von Kerstin Baldischwieler aus Ravensburg. Liah konnte davon bereits nach den ersten Stunden deutlich profitieren. Doch der Weg nach Ravensburg war weit, Termine schwer zu bekommen. Damals beschloss Inga: „Das will ich selber lernen. Damit ich künftig mit meiner Tochter selbst weiterarbeiten kann.“

Liah heißt „die Löwenstarke“ – und tatsächlich ist ihr Name Programm …

Heute ist Liah sechs Jahre alt: Und entgegen der Aussagen der Ärzte wie „Ihre Tochter wird nicht lebensfähig sein!“ oder „Ihre Tochter wird weder sitzen noch laufen können!“ machte die kleine Liah schon mit drei Jahren stetig bemerkenswerte Fortschritte. Sie konnte sich bereits nach ihrer ersten Intensivwoche der neu begonnenen Therapie mit 17 Monaten selbständig hinsetzen und ihre Sitzposition eigenständig halten. Nach drei Jahren Therapie konnte Liah Wochentage in der richtigen Reihenfolge nennen, kleine Geschichten aus dem Gedächtnis wörtlich nacherzählen, in drei Sprachen bis mindestens zehn zählen, kleine Strecken selbstständig laufen. Sie konnte mit der Familie gemeinsam am Tisch essen, Gesellschaftsspiele selbstständig spielen und eigenständig Bobbycar fahren. Hier ist der Name wortwörtlich Programm: Denn Liah steht für „die Löwenstarke“.

Inga therapiert heute nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern auch andere

Mutter Inga ist heute selbstständig und hat eine eigene NeuroScanBalance®-Praxis in Nordrhein-Westfalen. Sie hat sich selbstständig gemacht und therapiert vormittags, wenn ihre zwei Kinder im Kindergarten sind, inzwischen nicht nur Liah und ihren Sohn, der manchmal in herausfordernden Situationen anfing zu stottern, sondern auch viele andere Kinder. Auch ihrem Sohn (4 Jahre alt) konnte sie bereits helfen, er stottert nicht mehr. Zwar ist Inga auf Kinder spezialisiert, aber einen Erwachsenen therapiert sie auch. Einen jungen Motorradfahrer, der nach einem schweren Unfall schwerstbehindert war. Er konnte lediglich die linke Hand minimal heben und nicht mehr sprechen. Inzwischen kann er schon „ja“ sagen, selbstständig trinken und fängt auch an, selbstständig zu essen. Inga: „Die Eltern von ihm können es gar nicht fassen. Er bekommt immer mehr Lebensqualität zurück, kann auch inzwischen seinen rechten Arm und seine Beine ein wenig bewegen.“

„Liah hat unser Leben verändert“…

… sagt Inga heute. „Zum Guten. Durch meine Arbeit lerne ich viele tolle Familien, echte Herzensmenschen, kennen. Es macht mir viel Freude, die Kinder kennenzulernen und ich bin immer wieder fasziniert, welche Fortschritte sie bei mir machen. Einfach deshalb, weil bei dieser feinen Bewegungs-Methode immer das Kind im Vordergrund steht – ohne Druck auf es auszuüben oder jeglichen äußeren Zwang!“

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Katja Banik

Nach meinem Magister Studium (Anglistik, Romanistik, Germanistik) arbeitete ich 14 Jahre lang für Axel Springer als Journalistin, unter anderem als Auslandskorrespondentin in London und New York. Heute beschäftige ich mich mit PR und Öffentlichkeitsarbeit, seit 2018 auch mit ganz viel Herzblut für Aktion Kindertraum – eine tolle Organisation, die wirklich hilft, wo es nötig ist!

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