Linus im Flugzeug Richtung Rom

Auf den Spuren von Asterix und Obelix

Linus‘ Reise nach Rom

Es gibt Familien, die wir nicht vergessen werden, weil uns ihr Schicksal außerordentlich nahe geht, weil es uns emotional beschäftigt. So geht es allen im Team, vor allem aber der Mitarbeiterin, die den Wunsch koordiniert. Heute schreibt Helga über ihre Gedanken und Gefühle, wenn sie sich an Linis‘ Wunsch, eine Reise nach Rom, erinnert.

Schon viele Jahre setze ich mich bei Aktion Kindertraum mit viel Freude, Engagement und innerer Überzeugung für die Herzenswünsche und Träume erkrankter Kinder und Jugendliche ein.
Jeder erfüllte Wunsch erzählt eine eigene Geschichte. Und immer wieder begegnet mir ein Wunsch, der herausragt, mir selbst zu Herzen geht und mich auf ganz unterschiedliche Weise beschäftigt.

Sehnsuchtsort – Linus träumte während seiner Krankheit von einer Reise nach Rom

So auch Linus‘ Herzenswunsch: Eine Reise ins antike Rom

Linus ist 10 Jahre alt und wünschte sich von ganzem Herzen eine Reise, um in die Welt des antiken Roms einzutauchen. Ein ungewöhnlicher Wunsch, der jedoch eine eigene Geschichte hat. Denn Linus erhielt vor 2,5 Jahren die Diagnose Leukämie. Ein Schock für ihn und seine ganze Familie, seine Eltern und seine zwei Geschwister: Emilie, 13 Jahre alt und Paul, 6 Jahre alt.

Das Leben gerät aus den Fugen

Die Diagnose stellt das Leben der Familie komplett auf den Kopf. Nichts war mehr wie zuvor. Der Vater gab sogleich seinen Beruf auf, um ganz für Linus da sein zu können. Starke finanzielle Einbußen waren die Folge.

Viele Krankenhausaufenthalte folgten und stets war da die Angst: Wird Linus es schaffen?

Weil Linus einer „Hochrisikogruppe“ angehörte, dauerte die Intensivzeit seiner Chemo-Behandlung fast 1,5 Jahre. Im Anschluss kamen noch einige Monate Erhaltungs-Therapie und Wochen eines onkologischen Nachsorgeprogramms dazu, stets begleitet vom Hoffen und Bangen, dass es zu keinem Rückfall kommt.

Mit Asterix und Obelisk kämpft Linus gegen den Krebs

Linus im Flugzeug Richtung Rom
Die Geschichten der tapferen Gallier im antiken Rom halfen Linus in schweren Stunden

In den zwei Jahren seiner Krebserkrankung und seiner vielen Aufenthalte im Krankenhaus verbrachte Linus unzählige Stunden und Tage damit, Asterix und Obelix-Hefte zu lesen. Er kennt sie alle in- und auswendig. Er wälzte massenhaft Bücher über das alte Rom und stellte jedem unzählige Fragen. Die tapferen Comic-Helden Asterix und Obelix spendeten ihm unglaublich viel Kraft, Mut und Humor. Er kämpfte gegen seine Krankheit und behielt den Kopf oben. Sein „Römer-Fieber“ sprang sogar auch auf seine Geschwister über.

Nachdem erkennbar war, dass die Familie wieder an das „alte“ Leben anknüpfen konnte und sich abzeichnete, dass Linus es schaffen wird, reichte Linus‘ Vater den Herzenswunsch seines Sohnes bei uns ein. „Eine Entdeckerreise nach Rom“ mit der ganzen Familie. Sich auf den Spuren von Asterix und Obelisk bewegen, zudem eine unbeschwerte Zeit miteinander zu verleben und neu beginnen. Wie gut konnte ich diesen Wunsch nachvollziehen und verstehen.

So viele Emotionen

Sehr gut erinnere ich mich an mein erstes Telefonat mit Linus‘ Vater. Er erzählte mir offen von den letzten zwei Jahren, von den Herausforderungen, den Ängsten, den psychischen Belastungen, die die Diagnose mit sich gebracht hatte. Als Mutter hat mich das tief bewegt. Ich konnte – zumindest in Ansätzen – nachempfinden, wie schwer es sein muss, stark zu bleiben, wenn man innerlich zittert.

Gerade für das eigene Kind muss man gefasst wirken, Hoffnung ausstrahlen, Zuversicht geben. Es soll nicht spüren, dass man nachts vor Sorgen kaum schlafen kann.
Und doch braucht es genau diese Kraft – die Stärke der Eltern –, damit ein Kind durch solch eine schwere Zeit hindurch gesund werden kann.

Eine Münze in den Trevi-Brunnen werfen: So sollen sich Wünsche erfüllen.

Als ich Linus‘ Vater schließlich sagen konnte, dass wir seinen Herzenswunsch erfüllen werden, konnte er es kaum fassen und war so unglaublich dankbar.

Es war einer dieser Momente, die ich als Wunscherfüllerin nicht vergessen werde!

Detailreiche Abstimmung – Schritt für Schritt

Beim nächsten Telefonat mit Linus‘ Vater spürte ich noch etwas anderes: Seine Sorge, wie soll ich das alles stemmen? Die Planung der Reise, die Abstimmung, die Buchungen – das alles erschien ihm wie ein Berg.
Doch genau da beginnt meine Aufgabe. Ich konnte ihn beruhigen: „Ich kümmere mich darum. Das ist mein Job als Wunscherfüllerin und das mache ich gerne.“ Ich konnte förmlich durch das Telefon hören, wie ihm ein Stein vom Herzen fiel.

Nun begann für mich, die Reise Schritt für Schritt gemeinsam mit Linus und seiner Familie gut abzustimmen.
Da tauchen viele Fragen auf:

  • Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Reise?
  • Wie viele Tage braucht es, um Rom in Ruhe erleben zu können – ohne Stress, aber mit all den Höhepunkten, die Linus sehen wollte?
  • Welche Unterkunft passt wirklich zu einer fünfköpfigen Familie mit einem noch kleinen Kind und besonderen Bedürfnissen?

Zuerst dachte ich an ein kleines Familienhotel. Doch schnell stellte sich heraus: Das ist zu eng, zu unflexibel, einfach nicht das Richtige. In einem weiteren Telefonat mit Linus‘ Vater wurde klar: Wir brauchen mehr Freiraum.
Ich schlug eine Ferienwohnung mit Küche vor, damit sich Linus auch mal zurückziehen kann, kleine Pausen zwischendurch möglich sind und die Geschwister gut versorgt sind. Die Familie war begeistert.
Nun begann die Suche – und nach reichlicher Recherche fand ich sie: Eine wunderschöne, zentrale Casa in Rom. Familienfreundlich, mit ausreichend Platz, einer kleinen Küche und idealer Lage für Erkundungstouren durch die Stadt der Geschichte.

Auch die Historie der Engelsburg findet Linus mehr als spannend

Was jetzt noch fehlte? Flüge, Transfers, Reiserücktrittsversicherung, die Rom City Card für alle Familienmitglieder u.v.m. Mit unserer Reisefachfrau Daniela stimmte ich alles ab bis der Reiseplan rund war.
Und dann war er da: der Moment, in dem ich der Familie sagen konnte: „Es ist alles bereit. Es kann losgehen.“

Rom ruft und die Vorfreude wächst

Ein paar Wochen vor der Reise durfte Linus einen Schnuppertag an seiner zukünftigen weiterführenden Schule erleben – und steuerte direkt das Klassenzimmer an, in dem das Fach Latein vorgestellt wurde. Dort löste er das Römer-Quiz zügig und fehlerfrei, schlüpfte begeistert in eine römische Tunika und beeindruckte den Lehrer mit Zitaten aus seinen geliebten Asterix-Heften. Wenn das keine Vorfreude ist!

Doch kurz vor dem Abflug im März wurde es noch einmal aufregend – leider im weniger schönen Sinne: Die gesamte Familie war krank, lag mit Fieber im Bett. Ich habe in diesen Tagen mitgefiebert, gehofft und Daumen gedrückt. Die Vorstellung, dass die Reise nun ausfallen müsste, war kaum zu ertragen – für Linus und auch für uns. Aber das Glück war auf unserer Seite. Linus musste zwar bis kurz vor dem Abflug Antibiotika nehmen, doch er war rechtzeitig fit genug – flugtauglich und voller Vorfreude.

Gott sei Dank muss man heute nicht mehr zu Fuß über die Alpen. Linus im Cockpit des Fliegers nach Rom.

So erreichte mich diese Nachricht vom Vater: „Ich glaube, so richtig werden wir es erst realisieren, wenn wir im Flugzeug sitzen und dieses für Linus und auch uns kaum mehr bekannte Gefühl der Freiheit spüren, welches uns durch die 2,5 Jahre Erkrankungszeit und den davor geschalteten Corona-Jahren so lange verwehrt geblieben ist.“

Endlich in Rom

Und sie haben es geschafft! Linus, seine Eltern und seine beiden Geschwister – alle landeten sicher und glücklich in der ewigen Stadt, wie Rom auch genannt wird.

Dazu schreibt der Vater nach der Reise in seinem Brief: „Anders als vor 2000 Jahren hatten wir das Privileg, innerhalb von knapp 1,5 Stunden ganz bequem mit dem Flugzeug die Alpen zu überqueren und bei bestem Wetter in der Stadt der sieben Hügel zu landen. Diesen Wunsch haben Sie Linus erfüllt – und der Start in die nun für uns noch etwas ungewohnte Freiheit nach all den schweren Turbulenzen, Unsicherheiten und Beeinträchtigungen wurde durch dieses Projekt aufs Feinste veredelt. Dank optimaler Planung konnten wir jede Minute dieser tollen Reise in vollen Zügen genießen.“

Geschichte zum Anfassen – einfach unvergesslich

Das Programm in Rom war für Linus spannend und gefüllt mit vielen Highlights, die Rom für einen Geschichtsbegeisterten wie ihn so besonders machen.

Egal wie sehr die Füße brannten. Das war Linus wert, um das Colosseum am Abend zu sehen.

Natürlich ging es zunächst ins Kolosseum und natürlich durften das Forum Romanum, das beeindruckende Pantheon und die Überreste der Gladiatorenschule Ludus Magnus nicht fehlen. Linus war so begeistert, dass die Familie – obwohl vom vielen Laufen abends erschöpft und müde – noch einmal den Weg zum Kolosseum auf sich nahm, um dort die einzigartige Abendstimmung zu erleben. Linus so unbeschwert und glücklich zu sehen, ja da nimmt man doch gerne zusätzliche Wege auf sich!

Auch ein Spaziergang durch die Altstadt Roms durfte nicht fehlen und gehörte zu den unvergesslichen Momenten: Trevi-Brunnen, Spanische Treppe, Piazza Navona – alles Stationen, die nicht nur auf dem Stadtplan, sondern vor allem im Herzen der Familie Spuren hinterlassen haben. Der Besuch des Petersdoms war ein weiteres Highlight, ebenso wie ein Abstecher zur grünen Oase der Villa Borghese, der Raum zum Durchatmen bot.

Die eine Woche in Rom – sie war schnell gefüllt und Linus und seine Familie holten das Beste aus jedem Tag.

Per aspera ad astra

Für mich war Linus‘ Romreise ein Herzensprojekt. Und ich bin dankbar, dass ich Linus und seine Familie auf diesem Weg ein Stück begleiten durfte. Solche Wünsche zeigen, wie wertvoll und kraftvoll gemeinsame Zeit ist. Und wie bedeutsam es ist, einen Moment der Leichtigkeit zu schenken, wenn das Leben über lange Zeit so schwer war. Für Linus, seine Eltern und Geschwister war diese Reise wie ein Neuanfang.

Nach einer intensiven Woche kehrte die Familie glücklich und wohlbehalten nach Hause zurück – im Gepäck unfassbar viele herrliche und unvergessliche Eindrücke, von denen alle noch lange zehren werden!

„Per aspera ad astra – ja, so lässt sich diese Reise voller Highlights in der neuen alten Freiheit nach all den zurückliegenden physischen und psychischen Strapazen zusammenfassen!“, schreibt Linus‘ Vater. Übersetzt bedeutet es: ‚Durch das Raue zu den Sternen‘ und es heißt so viel wie: Nur durch große Anstrengungen und Überwinden von Hindernissen erreichen wir das Ziel.

Linus hat sein Ziel erreicht. Er hat die Krankheit überwunden und mit seiner Romreise den Beginn einer neuen unbeschwerten Zeit eingeläutet.
Danke Linus, dass ich aus der Ferne ein bisschen bei deiner Reise dabei sein durfte. Ich wünsche dir noch viele weitere coole Trips!

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Gastautoren

An dieser Stelle möchten wir unsere Gastautoren – und natürlich auch deren LeserInnen – begrüßen. Denn neben unserem Blog-Team wollen wir auch anderen Menschen, denen Aktion Kindertraum am Herzen liegt, hier eine Plattform bieten. Dazu gehören: ExpertInnen für spezielle Themen, Mütter oder Väter unserer „Wunschkinder“ – so nennen wir die Kinder, denen wir einen Wunsch erfüllen oder bereits erfüllt haben – MitarbeiterInnen von Partnerorganisationen oder Menschen, die uns mögen und einfach mal über ihre Erfahrungen mit Aktion Kindertraum und den Wunscherfüllungen berichten möchten.
Linus im Flugzeug Richtung Rom

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