Definitiv öfter auf Achse

Ute, 2026 ist da! Wo wird man Dich dieses Jahr öfter sehen: im Zug auf der Reise zu Terminen und Veranstaltungen oder im Büro von Aktion Kindertraum in Hannover?

Definitiv öfter auf Achse. Wir planen in diesem Jahr zahlreiche größere Projekte, entsprechend werde ich häufiger Außentermine wahrnehmen, Kontakte knüpfen, mein Netzwerk pflegen. Möglich wird das, weil wir uns hier intern ein wenig neu strukturieren und auch personell wachsen. Das gibt mir den nötigen Freiraum. Wir sind ja ein lange eingespieltes Team.

Wer kommt neu hinzu?

Seit Dezember haben wir eine neue Wunscherfüllerin: Sina Friese, meine Tochter. Sie kennt Aktion Kindertraum wirklich sehr, sehr lange. Man kann fast sagen: von Geburt an. Mit Aktion Kindertraum bin ich ja damals, im Jahr 1998, in meinem heimischen Gästezimmer gestartet. Provisorisch mit Telefon, PC und Fax. Gearbeitet hab ich zumeist, wenn Sina im Kindergarten war oder schlief. So schließt sich jetzt der Kreis.

Knapp 30 Jahre später. Was treibt Dich an?

Ach, es gibt so viele Sachen. Wir wollen uns viel stärker mit den anderen bedeutenden Stiftungen in Deutschland vernetzen. Und dann ist da noch die große Kampagne mit Vor-Ort-Events, Foto-Ausstellungen, Vernissagen…

Du bist schon bei den inhaltlichen Schwerpunkten für 2026, oder?

Ja, diese Foto-Ausstellung wird in drei deutschen Städten starten und ein Highlight des kommenden Jahres sein. Es geht um ganz besondere Aufnahmen außergewöhnlicher Kinder, denen wir mit Aktion Kindertraum Wünsche erfüllt hatten. Es sind echte Highlights – in Szene gesetzt von der Meister-Fotografin Christiane Welkener. Zur Eröffnung werden wir Prominente als Paten laden und natürlich die Öffentlichkeit einbinden. Aber das ist nur ein Schwerpunkt.
Am 14. Februar begleiten wir in Hamburg das Konzert „Aus der Stille in den Klang“. Das Projekt unterstützt Kinder mit Cochlea-Implantat dabei, Musik zu hören und Instrumente wie Klavier oder Violine zu spielen. Ich finde: ein toller Beitrag zur Teilhabe.
Und dann werden wir u.a. wieder beim Kinder-Lebens-Lauf dabei sein. Der startet ja am 16. April in Berlin und endet am 10. Oktober im Europa-Park Rust. Es ist Deutschlands größte Inklusionskampagne – wir werden an einigen Stationen vor Ort sein.

Ute Friese (Mitte) nimmt die Engelsfackel von Jasmin entgegen. Die Fackel des Kinder-Lebens-Lauf bleibt auf Achse
Beim letzten Kinder-Lebens-Lauf kam die Engelsfackel am 03.09.2024 vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst des ASB zu Aktion Kindertraum. Übergeben wurde sie von Jasmin (rechts), die an MukoPolySaccharidosen (kurz MPS) erkrankt ist.

Haben sich in den Jahren die Wünsche verändert, die Ihr den Kindern erfüllt?

Das verläuft immer ein wenig in Zyklen. Vergangenes Jahr ging es verstärkt um Reisen, den Besuch von Freizeitparks. Auch Sachwerte wie Möbel, spezielle Fahrräder bzw. auch Lastenräder wurden wieder stärker gewünscht. Ich glaube, das spiegelt die wirtschaftliche Lage in Deutschland wider. Den Menschen geht es um ein wenig Eskapismus einerseits und konkrete materielle Bedürfnisse andererseits. Das betrifft natürlich ganz besonders solche Familien mit Kindern und Jugendlichen, deren Leben durch Behinderung, Krankheit, traumatische Ereignisse oder Schicksalsschläge, außerordentlich belastet ist. Dein Wunsch. Unsere Mission – das treibt uns an und ist wichtiger denn je.

Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen erreichte zuletzt einen Höchststand. Was sagt das Deiner Meinung über die Gesellschaft aus?

Leider war das vorhersehbar. Die Corona-Krise und die dann anschließende Zeit hat viele Familien überfordert. Die Gewalt in Familien nimmt zu. Ein Teufelskreis. Auch weil auf der anderen Seite die Kommunen sparen und beispielsweise Jugendzentren schließen müssen. Das hat Auswirkungen und wirkt sich auch auf das Miteinander zwischen nicht behinderten und behinderten Kindern aus.

Wie?

Erst gerade haben sich zwei Schulen bei uns gemeldet. Sie brauchen dringend Gebärdendolmetscher, auch um eine bessere Kommunikation zwischen den zwei Gruppen zu ermöglichen. Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, dass die Stigmatisierung behinderter Menschen nicht wieder zunimmt.

Du warst bei der Familienunternehmer-Tagung 2025. Da sprach auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Welche Erwartung hast Du an ihn?

Eindeutig, dass sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland wieder verbessert und die Menschen netto mehr im Portemonnaie haben. Und natürlich muss auch endlich die Entbürokratisierung in Gang kommen.

Und jetzt noch eine persönliche Abschlussfrage an Dich: 2028 wird Aktion Kindertraum 30 – ist das für Dich noch in weiterer Ferne oder denkst Du schon ab und zu daran?

Naja, ein bisschen ist es ja noch hin. Aber ab und zu kommt es mir in den Sinn – und dann merke ich, wie viel wir schon geschafft haben und wie viel noch vor uns liegt

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Gastautoren

An dieser Stelle möchten wir unsere Gastautoren – und natürlich auch deren LeserInnen – begrüßen. Denn neben unserem Blog-Team wollen wir auch anderen Menschen, denen Aktion Kindertraum am Herzen liegt, hier eine Plattform bieten. Dazu gehören: ExpertInnen für spezielle Themen, Mütter oder Väter unserer „Wunschkinder“ – so nennen wir die Kinder, denen wir einen Wunsch erfüllen oder bereits erfüllt haben – MitarbeiterInnen von Partnerorganisationen oder Menschen, die uns mögen und einfach mal über ihre Erfahrungen mit Aktion Kindertraum und den Wunscherfüllungen berichten möchten.

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